Kaputtes routing - Nutzt das eigentlich wer?

Ich habe einen neuen Rekordhalter. Ortsumgehung Ahaus war für einen teil der Routingengines (Mind. OSRM) seit 14 Jahren kaputt.

Man sehe sich diese Weghistorie an:

Seit 14 jahren ist da konsequent ein “construction=secondary” drauf. OSRM meidet im Car profile alle wege mit “construction=*” - Also war da noch nie ein routing mit OSRM möglich.

Der letzte Rekordhalter war eine Kreisstraße in Bad Karlshafen seit Jahren kaputt weil ein access=no wegen einer Baustelle zurückgeblieben ist. Genauer Zeitpunkt wann die K49 wieder Befahrbar war ist unklar weil die wegen des Baustellenverkehrs für die B83 gesperrt wurde.

2019 access=no
2023/06 Eröffnung des Brückenneubaus der B83
2023/12 entfernt nachdem es im RouteQA aufgefallen ist

Auch schön war diese Brücke:

Vor 3 Jahren - 2020 - highway=construction + access=no
Vor 1 1/2 Jahren Freigegeben 07/2022
Vor 6 Monaten 06/2023 construction entfernt - access=no gelassen.
Vor 3 Tagen mir in der Routenüberwachung aufgefallen - Changeset kommentiert
Vor 24 Stunden 12/2023 access=no entfernt

Ich frage mich ja ob wirklich irgendjemand routing mit OSM macht weil über Jahre so kaputtes routing niemandem auffällt.

Und wie trackt ihr sowas wenn ich wegen Baustellen access=no oder construction tagged das das nicht vergessen wird?

Flo

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Ich gehe davon aus, wenn jemand mit einem Navigationsgerät unterwegs ist, dass diese Person die regionalen Straßen kaum oder gar nicht kennt.

Theoretische Annahme: Die A3 zwischen Frankfurt und Köln hat seit 10 Jahren eine Baustelle eingetragen.
Wenn ich jetzt als ortsunkundige Person von Frankfurt nach Köln fahre und das Navigationssystem schickt mich über die A61 statt über die A3, dann würde ich nicht merken, dass hier etwas nicht stimmt. Ich kenne mich ja nicht aus, sonst hätte ich die Adresse gar nicht erst ins Navi eingegeben.

Wenn ich mich in der Region gut auskenne, dann gebe ich das Ziel nicht ins Navi ein und merke deshalb gar nicht, welche Route das Navi dann nehmen würde und ob es dann eventuell Fehler gibt.

In meinem Auto ist standardmäßig immer die Kartenansicht auf dem Display eingeschaltet, auch wenn keine Route aktiv ist. Dort ist mir persönlich bisher nur einmal zufällig eine Straße aufgefallen, die dort als gesperrt markiert war. Im ersten Moment dachte ich, dass es sich um fehlerhafte Daten aus den Staumeldungen handelt, die automatisch über Radio oder Internet empfangen werden. Zu Hause stellte sich dann heraus, dass die Straße tatsächlich 12 Monate zuvor gesperrt und auch als Baustelle in OSM eingetragen worden war. Die Daten im Navi waren also 12 Monate alt. In OSM stimmte zu diesem Zeitpunkt alles und die Straße war befahrbar.

Ich trage aus o.g. Gründen bevorzugt Baustellen in meiner Region als Conditional Restriction ein. Diese kontrolliere ich regelmäßig mit der Osmose Abfrage (Item 3350, Class id 33503, “Expired conditional”).

Persönlich fallen mir Routing Probleme am ehesten auf beim Planen von Touren, wie zb Motorradtouren…wenn der Router wieder irgendwie nicht so fahren will wie ich mir das vorstelle.

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Ist die Frage nicht eher, ob irgendjemand Routing mit OSRM im Standardprofil macht?

Was sagen denn Maps.me, OSMAnd, Magic Earth, Organic Maps…?

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Funktioniert hier problemlos.

Für mich zeigt sich hier eigentlich ein anderes - zunehmendes - Problem von OSM: Es wird akribisch an irgendwelchen Mikroproblemchen (auf Beispiele kann man wohl verzichten - die sind im Forum fast alltäglich Thema) herumgebastelt, aber auf das Wesentliche schauen nicht mehr viele. Relevanzkriterien kann man bei OSM nicht einfordern, aber vielleicht sollte man sich als guten Vorsatz für’s Neue Jahr selbst vornehmen, nur noch das zu erfassen, was man selber braucht. Und nicht nach dem Motto “irgendwer (außer mir) wird das schon brauchen” zu mappen.

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Was ich für einen Fehler halte, im Wiki lese ich da nix von.

Die Relevanzdiskussion hat schon Wikipedia kaputt gemacht. Sollten wir hier nicht anfangen.

Das spielt im übrigen bei OSM auch keine rolle. IMHO ALLES kann eingetragen werden solange es nicht anderer Leute use-case kaputt macht.

Flo

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Die Argumentation dafür ist aber richtig. Alles was construction ist sollte ja nicht befahren werden.

Ist auch lang und breit bekannt und hier auch mehr als einmal diskutiert worden. Ich meine ich hatte vor jahren auch auf talk-de da schonmal drauf hingewiesen und Overpass queries verlinked.

Ist aber ja auch egal. Defakto merkt offensichtlich niemand wenn hier dinge mehr als 10 Jahre kaputt sind.

Ich habe das in meinen Wayproblems auch als rot markiert mit drin damit ich die dinger schnell finde.

Hier die entsprechenden zeilen im OSRM Profile

Flo

access=no interpretieren die hoffentlich. Sonst brauchen wir mit routing ja nicht anfangen. Und 2 der von mir gelieferten Fälle in denen Monate/Jahrelang dinge kaputt waren sind access=no probleme gewesen.

Flo

Wer noch nen guten Vorsatz für 2024 sucht:

  • Mehr OSM-QS betreiben, es gibt zB noch 40.000 offenen Notes (alleine in D)… :wink:
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OT:
Das könnte ein eigener Threat werden :wink:

Leider sind die Meldungen zunehmend - sagen wir einmal - uninteressant und haben nicht mehr viel mit QS zu tun :frowning:
Die schaue ich mir daher immer seltener an…

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In der Nähe meines Wohnorts habe ich das für eine Baustelle mit
access:conditional=no @ (2023 Mar-2023 Nov) gelöst gehabt.

Ich bin aber ehrlich gesagt nicht sicher, welche Routingengines “conditional access” korrekt auswerten.

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graphhopper und osmand.

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Hätte ich so nicht erwartet. Für mich hat construction=secondary nur dann eine Bedeutung, wenn highway=construction vorhanden ist. Ich nutze OSRM praktisch nie, nur wenn hier mal einer einen Fehler im Routing meldet.

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Es wird akribisch an irgendwelchen Mikroproblemchen (auf Beispiele kann man wohl verzichten - die sind im Forum fast alltäglich Thema) herumgebastelt, aber auf das Wesentliche schauen nicht mehr viele.

Routing ist vielleicht für viele gar nicht das Wesentliche? Nicht dass ich nicht an jeder Straße akribisch die routingrelevanten Eigenschaften eintragen oder den Graphen bei unverbundenen Stücken fixen würde, aber fürs Auto-Routing reicht es nicht, das Netz und seine Eigenschaften zu haben, ohne Echtzeitdaten zum Verkehrsfluss riskiert man noch länger im Stau zu stehen als es sowieso unvermeidbar ist, darum route ich mit OpenStreetMap nur mal aus Interesse um zu sehen wie weit es ist oder als Fußgänger oder Radfahrer. Oder im Urlaub für die Umgebung.

Ich halte das aus mehreren Gründen für nicht so optimal. Zum einen - wie Chris ja auch schon schrieb supportet das nur ein Bruchteil der routing engines. Dazu kommt das eine Baustelle damit nicht in der Karte sichtbar ist. Also d.h. der der noch alt hergebracht mit der Karte navigiert sieht nichtmal das da eine Baustelle ist.

Ich setze dinge wirklich auf construction und setze normalerweise einen Note drauf den ich regelmäßig mit links zu den Presseveröffentlichungen füttere.

Hab heute schon wieder einen Gesperrten Straßenabschnitt gefunden der seit einer Woche freigegeben ist. Hat nur keiner gemerkt. Diesmal Oraniendeich in Kleve.

Flo

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Das ist das narrativ was dir die kommerzielle Bubble erzählen möchte das das ohne die Millioneninvest in Live Daten nicht geht. Wenn es danach geht können wir ja gleich aufgeben uns mit Routing zu beschäftigen oder?

Ich pflege OSM Daten in Hinsicht auf Routing seit 10 Jahren - seit dem habe ich auch die Überwachung laufen (Seit 2013) die mir veränderungen meldet, und ich klettere jeder veränderung hinterher.

Und ich weiss das OSMAnd in dem Bereich in dem ich mich intensiv kümmere bessere Routen als Google erzeugt.

Das Thema Live Verkehrsdaten wird im Routing bei 100km+ interessant. Da setze ich dann auch auf Google Maps. Aber innerorts oder hier im Großraum Ostwestfalen ist OSM überlegen.

Man muss halt sauber taggen, und nicht nur die Hauptstraßen sondern ALLES. Wenn du Dinge auslässt sind die wohlmöglich mit einem mal schneller und du wirst über den Acker geschickt.

Flo

Nicht im Ruhrgebiet. Da lohnt sich der Blick auf https://www.verkehr.nrw/ zuweilen schon, um zu entscheiden, welche Autobahnauf- bzw. abfahrt man nimmt, auch wenn man insgesamt nur 20 km vor sich hat oder so.

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Der Punkt ist - Wenn wir sagen das routing basierend auf OSM Daten ohne Live Daten per se nicht möglich ist sagen wir auch das alle Offline Lösungen wie OSMAnd oder maps.me nie funktionieren oder gute Ergebnisse liefern können. D.h. wir setzen zu 100% auf online und serverbasierte Lösungen die bei den Multi-Billion-Dollar Corps laufen die auch von ihren Apps einen Backchannel für die Live Daten haben.

Und das halte ich für inakzeptabel. Das ist halt das Narrativ was uns Google, TomTom und co erzählen wollen das ohne Live Daten und Millionen von Roaming clients wir das nie hinkriegen können.

Und ich weigere mich sowas anzuerkennen. Das war schon die Aussage als ich mit Linux angefangen habe, und das war die Aussage als ich mit OpenStreetmap angefangen habe, das wir als Amateure das ja eh nie schaffen können ein Betriebssystem, eine Karte zu produzieren.

Natürlich können live Daten das Ergebnis verbessern - vor allem im höherklassigen Straßennetz. Aber ohne mich jetzt zu tief mit Live Daten beschäftigt zu haben vermute ich das sich dort wiederkehrende Muster der Straßenbelastung ermitteln lassen. D.h. ich habe 5 Standardkurven der Belastung die sich auf alle Straßen matchen lassen (Mit zeit offset und delay faktor).

D.h. ich habe Straßen die einen Peak werktags zwischen 7 und 9 und zwischen 16 und 18 uhr haben. Es wird Straßen geben die ihren Peak zwischen 10-13 und haben. Und dann gibt es einen Zeitverschiebungsfaktor und einen Hub-Faktor der den faktor zwischen mini und maxima beschreibt. Und das kriegst du mathematisch zu einem Delay faktor verarbeitet der Zeitabhängig ist.

Damit kann ich Straßenbelastung “statisch” beschreiben mit 3 werten. Kurventyp, Zeit offset, Min/Max time Faktor.

Diese Daten kann ich offline verarbeiten und muss sie auch nicht “live” ermitteln sondern nur in Stichproben aus ggfs historischen Daten - oder sogar nur manuell approximieren.

Das einzige was wir dann nicht hinbekommen ist auf sowas wie Unfälle oder Kurzfristige Sperrungen zu reagieren. Dafür gäbe es ggfs ja noch TMC.

Jedenfalls weigere ich mich das Thema routing einfach aufzugeben. Wir haben noch lange nicht die low-hanging fruits geerntet. Das tagging der routing beeinflussenden tags in OSM ist nachwievor eher mäßig.

Flo

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Wer sagt denn das? Ich zumindest nicht. Ich wollte nur ein Beispiel dafür geben, dass Live-Daten nicht erst ab 100km eine Verbesserung berwirken können, sondern auch bei kurzen Distanzen.

Dass wir auch ohne LIve-Daten nur mit statischen OSM-Daten (und für meinen persönlichen Bedarf auch ohne tagesaktuelle Baustellen-Edits oder Baustellen-Conditionals) viele Routing-Szenarien sehr gut bedienen können, steht für mich außer Frage.

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