DE:Names - "Kürze keine Wörter ab" - in der Pauschalität korrekt?

Hallo,

die deutsche Wikiseite DE:Namen - OpenStreetMap Wiki schreibt derzeit ganz pauschal:

Kürze keine Wörter ab.

Das ist schon mal eine Verschärfung gegenüber der englischen Version, wo einschränkend steht:

If the name can be spelled without an abbreviation, then don’t abbreviate it.

Zum Kontext muss man wissen, dass es in den USA üblich ist, Straßennamen auf Straßenschildern teils ziemlich extrem abzukürzen (das Beispielbild auf der Wikiseite ist da recht anschaulich). Von da kommt auch die Regel her.

Nur wird die Regel von einigen Kollegen in Deutschland sehr wörtlich genommen und es wird auch konsequent die Ausschreibung folgender Abkürzungen gefordert:

  • St. für Sankt und Hl. für Heilig/Heilige im Kontext der katholischen Kirche: Diese Abkürzungen sind im liturgischen Kontext (z. B. bei den Namen katholischer Kirchen) üblich, werden aber in OSM immer wieder ausgeschrieben. Übrigens kürzen das auch unsere englischen Kollegen ab (St für Saint).
  • Dr. für Doktor: eigentlich völlig unverständlich, sehe ich aber auch immer wieder - besonders gerne bei Straßennamen wo es auf dem Straßenschild mit der Abkürzung steht, aber dann unter Verweis auf DE:Names die Ausschreibung gefordert wird

Deshalb meine Frage: sind auch diese Abkürzungen (vor allem Dr.) verbotene Abkürzungen, die in OSM nicht vorkommen dürfen? Oder sind unsere Regeln zu unpräzise und bedürfen einer Anpassung?

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Hallo,

der Wiki-Abschnitt ist nach meinem Empfinden sehr nach Straßennamen ausgerichtet, wobei bei den Ausnahmen unter anderem eine Stadt und ein Kanal aufgeführt werden: St. John’s, weil die abgekürzte Schreibweise amtlich ist, beim Kanal, weil er allgemein so bekannt ist.

Meine persönliche Meinung zu St. ist, stets die Abkürzung verwenden: bei Ortsnamen, bei Straßennamen und auch bei Kirchen. Zu Dr. ebenfalls stets die Abkürzung verwenden: bei Straßennamen als auch bei Praxen (müssen nicht nur Arztpraxen sein).

Speziell bei Orts- und Straßennamen dürfte die Regel greifen, dass die abgekürzte Schreibweise amtlich ist.

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Ohne, dass es von vorherigen Mappern beanstandet wurde, habe ich eine Straße in einem Dorf nebenan angepasst:

Wichtig war mir dabei von der Gemeinde zu erfahren, wie sie die Straße offiziell gewidmet haben. Das habe ich über FDS in Erfahrung gebracht, eingetragen und verlinkt.

Bis jetzt war das die einzige Straße auf die ich bei der Kartennutzung drauf gestoßen bin, bei der absichtlich (schon vor 13 Jahren, aber nungut) die Langform verwendet wurde, obwohl das Straßenschild diese nicht enthält und das Straßenverzeichnis wie nun erfahren auch nicht.

Ich kenne diesen AKüFi aus Großbritannien, wo “Westcroft Close” zu “Westcroft Cl” und “Horton Avenue” zu “Horton Av” werden, z.B. bei Bushaltestellen (DMI im Fahrzeug), daher ist die englische Form des Wikis mMn völlig korrekt (vor allem wenn man bedenkt, dass die angebrachten Straßenschilder die Langform durchaus tragen). Die deutsche Version ist deutlich (unangebracht) verallgemeinert, vor allem wenn das die von dir beschriebenen Folgen hat.

Hätten wir hier eine Abstimmung um diesen Passus zu entschärfen, wäre meine Stimme für Ja …

K

Ihr müsst das ganze noch mal anders denken: Es geht dabei nicht darum, was offizielle oder gebräuchliche Abkürzungen sind, sondern es geht letztlich um Maschinenlesbarkeit und Auswertbarkeit. Das menschliche Hirn ist ne Hochleistungsmaschine und geht mit abgekürzten Wörtern ganz anders um als eine reine Rechenmaschine. Das menschliche Hirn kann ganz automatisch Abkürzungen im Kopf zu ausgesprochenen Wörtern ergänzen, weil es den Gesamtzusammenhang erkennt. Man kann sogar Lückentexte relativ flüssig lesen, wenn in den Wörtern diverse Buchstaben fehlen.

Für einen Computer geht das nicht mehr so einfach. Es ist für ihn relativ leicht, aus einem Wort nach festen Regeln eine Abkürzung zu machen. So wird aus Doktor einfach Dr.
Umgekehrt ist es viel schwieriger. Gerade in einem internationalen Projekt wie OSM.
Ein abgekürztes St. kann vieles sein. Der Computer weiß nicht so einfach, vorallem bei Namen nicht, ob er daraus ein Sankt, ein Saint, ein Street oder ein Stephan oder Steven sein soll. Kürzt man alles üblicherweise mit St. ab.
Das ist der Grund, warum Eigennamen in der Regel ausgeschrieben werden sollen.

Dabei ist völlig egal, was offiziell auf Schildern steht. Die offizielle Version kann dann gern in official_name. Vorallem was willst Du machen, wenn an einem Straßenende Dr.-Irgendwer-Straße steht und an der nächsten Kreuzung Doktor-Irgendwer-Straße ausgeschildert ist?

Bei Dr. mag es ja noch gehen, aber ich habe hier eine Abzweigung, da bekomme ich regelmäßig von einem (nicht OSM-basierten) Navi die Ansage: “Bitte biegen Sie rechts ab in Richtung Eszehaweh Gmünd.” What? - Ja, das steht offiziell auf dem Schild drauf: Schw. Gmünd.

Keine Regel ohne Ausnahme:
Abkürzungen, die üblicherweise als Abkürzungen gesprochen werden, können auch so in den nam-tag aufgenommen werden. Klassisches Beispiel hierfür wäre die E.-T.-A.-Hoffmann-Str. - wer weiß denn schon noch, dass der Herr eigentlich als Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann geboren wurde und nur aus Verehrung gegenüber Mozart sich selber Ernst Theodor Amadeus genannt hat.

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Zustimmung zu @Mammi71.

“Dr.” könnte im deutschen “Doktor” heißen, in anderssprachigen Gebieten z. B. “Drive”.
“St.” könnte “Straße” heißen, oder “Sankt”, “Street”, “Saint”.

Ausnahmen würde nur nur dann machen, wenn die Abkürzung üblich ist und auch “abgekürzt” ausgesprochen wird, also z. B. bei “TÜV-Straße” oder wie oben genannt z. B. die “E.-T.-A.-Hoffmann-Straße”. Das deckt sich mit der Logik der englischen Wiki-Seite, wo “John F. Kennedy” auch nicht ausgeschrieben wird, weil man das “F” allgemein auch als F ausspricht.

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Ich frage jetzt mal ganz bewusst provokant: würdest du dieses Prinzip auch auf den Hausarzt Dr. Müller anwenden? Also den Hausarzt in OSM als “Doktor Müller” eintragen? Und entsprechend Dr. med. als “Doctor medicinae”? Denn wenn es eine Regel gibt, müsste sie ja konsequent auf alle Objekte angewandt werden.

Geht es hier um einen Wegweiser? Da sollte das Ziel natürlich ausgeschrieben werden, selbst wenn das Ziel in der Realität abgekürzt ist. Ich denke, das bestreitet hier auch keiner, es geht nur um die besondere Behandlung von Dr./St. und ähnlichen Abkürzungen.

Wir taggen nicht nur nicht für den Renderer, wir taggen auch nicht für die Sprachsynthese.

Ich würde es bei Straßennamen immer so schreiben, wie es auf dem Straßennamenschild geschrieben steht. OTG eben…

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Dafür gibt es ja extra :pronunciation. Finde ich bei gewissen Namen auch Sinnvoll. Das wäre dann z.B. so ziemlich alles mit Oster/Osten im Namen. Aber ich schweife ab.

Ich würde bei einem Straßennamen ausschließlich das taggen, was auf dem Schild steht, es sei denn Wörter wie Straße wurden zu Str. abgekürzt. Aber akademische Titel? Die würde ich schön lassen, wie sie sind.

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Okay, steht ja auch im englischen OSM-Wiki so. Habe mal die Übersetzung nachgezogen.

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Exakt - Maschinell kann ich abkürzen - Relativ einfach. Aus der Kurz die Langform bilden ist mitunter nicht eindeutig.

Juan-Carlos-Pl kann Plaza oder Platz sein. Nur so als Beispiel.

Und es gibt keine allgemeingültige Regel. Bei Straßennamen haben wir uns mal drauf geeinigt das wir Straße, Platz, Allee, Gasse ausschreiben, also nicht die Str. Pl. und co verwenden.

Alles davor ist für mich das relevant wie die Straße gewidmet ist bzw was auf den Schildern steht. Wenn das identisch ist, perfekt, ist es das nicht muss sich für eine Variante entscheiden und ggfs mit “alt_name” arbeiten. Was aber spätestens bei “addr:street” kaputt ist.

Also - das ganze geht nur mit Menschenverstand. Die Regel sollte aber sein so wenig wie möglich abzukürzen.

Flo

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Nicht notwendigerweise. Nominatim löst korrekt zu Way: 390427300 | OpenStreetMap auf, obwohl addr:street=Doktor-Willms-Straße lautet.

… Aber wahrscheinlich weil Way: ‪Dr.-Willms-Straße‬ (‪4216471‬) | OpenStreetMap alt_name=Doktor-Willms-Straße ist, das sollte also ein gangbarer Weg sein.

K

Mal abgesehen von den Straßennamen, die ich tatsächlich von der (manchmal nicht einheitlichen) Beschilderung vor Ort abhängig machen würde, gibt es dann noch solche Abkürzungen wie “KiTa”, “NSG”, “KGV”, “KGA” …
Wie geht man damit um? International verständlich sind die m.E. nicht, national gebräuchlich schon, aber nicht immer eindeutig!

Kita schreibe ich nicht mehr aus, da das auch im allgemeinen Sprachgebrauch inzwischen als eigenes Wort und nicht mehr als Abkürzung für “Kindertagesstätte” verstanden wird.

KGV und KGA sollten ausgeschrieben werden, ähnlich wie z. B. FFW für Freiwillige Feuerwehr.

NSG sollte idealerweise gar nicht im Namen vorkommen, denn das ist eine Objektbeschreibung und kein Name. Sieht man aber gelegentlich noch.

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Falls du mit NSG Naturschutzgebiet meinst: dafür gibt es entsprechendes Tagging (https://wiki.openstreetmap.org/wiki/DE:Tag:boundary%3Dprotected_area) und das ist nicht Teil des Namens.

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… zumal FFW nach DIN falsch ist: Liste der Abkürzungen bei der Feuerwehr – Wikipedia

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Falls du mit NSG Naturschutzgebiet meinst: dafür gibt es entsprechendes Tagging (https://wiki.openstreetmap.org/wiki/DE:Tag:boundary%3Dprotected_area) und das ist nicht Teil des Namens.

es ist ggf. doch Teil des Namens? Mit protection_title gibt es ja einen dedizierten tag dafür, wenn man den benutzt und in “name” den Namen einträgt (mit “Naturschutzgebiet” sofern zutreffend) kann jeder der es will den “Titelanteil“ automatisch entfernen, da alle Infos dazu vorhanden sind :slight_smile:

Ja genau. Nur ist es nicht (mehr) Teil von name=*.

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soll denn in “name” nicht der Name eingetragen werden?

Doch aber nicht “Naturschutzgebiet” oder “NSG” als Teil des Namens.