Verbot für Radfahrer mittels DE:250 auf Fahrrad-Wanderwegen

Im hiesigen Großraum sind auf vielen Strecken, auf denen Radfahrer verkehren, DE:250 Verkehrszeichen angebracht, also Verbot für Fahrzeuge aller Art. Die Stellen, an denen die Schilder stehen, lassen vermuten, dass die Aufstellenden dabei Radfahrer vor dem motorisierten Verkehr schützen und nicht verbannen wollten. Als Beispiel wäre ein ordentlich gepflasterter Feldweg von etwa 5,5 km Länge zu nennen, der parallel zu einer stark befahrenen Kreisstraße verläuft. Auf ersterem steht auf einige hundert Meter ohne Anliegerhäuser dieses Verbotszeichen. Der Radfahrer müsste nun zu der 700 Meter entfernten Kreisstraße fahren, dort ersatzweise die Strecke zurücklegen und dann wieder die 700 Meter zurück zu dem Feldweg. Natürlich macht das niemand sondern nimmt wie auf der restlichen Strecke für diese Meter den Feldweg. Bei neu aufgestellten Schildern findet sich immer die explizite Freigabe für Radfahrer, während diese bei den älteren Schildern fehlt. Offensichtlich ist das inzwischen in den Köpfen der Aufstellenden angekommen. Aber die alten Schilder mag man offensichtlich nicht nachrüsten. Das ist durchgängig in allen Gemeinden und Städten im Großraum so.

Besonders deutlich wird die Intention, Radfahrer vor dem motorisierten Verkehr schützen zu wollen, wenn dieses Schild auf Strecken aufgestellt ist, die als Radwanderweg ausgewiesen sind. Ich habe hier einen Weg, bei dem für jeden OSMler nachvollziehbar ist, dass hier sogar drei Radwanderwege verlaufen. Einer davon gehört zum Knotenpunkt-System, ein anderer ist der Ems-Jade Radwanderweg, der weitgehend den gleichnamigen Kanal begleitet. Eine prominentere und somit unzweifelhaftere Radroute gibt es auf der gesamten ostfriesischen Halbinsel nicht.

Die Frage ist, wie wir das mappen. Denn Radfahrer werden beim Mappen nach Verkehrszeichen hier nicht entlang geroutet, sondern auf stark befahrene Straßen geführt, obwohl alles dafür spricht, dass sie eigentlich durch die Beschilderung geschützt vor dem motorisierten Verkehr auf den Feldwegen verkehren sollen. Ich vermute, rechtlich könnte ein Fahrradfahrer Nachteile erleiden, wenn es unter DE:250 beispielsweise zu einem Unfall kommt. Gegen dieses Mapping spricht aber, dass hier Heerscharen von Radfahrern unterwegs sind und von den Tourismusverbänden in der hiesigen Ferienregion darüber gescheucht werden. Diese Verbände gehören den Gemeinden und Städten, die die Schilder aufstellen. Ich tendiere dazu, hier ein bicycle=yes anzufügen und das in einem “note” zu erläutern. Die Spitzfindigkeit, sich mit einem “bicycle=dismount” an dem Schild vorbeizumogeln, funktioniert in einer Community nicht, wo andere auch nur einen Teil des gesamten betroffenen Weges mit “vehicle=no” belegen können und dieser somit in seiner Gesamtheit nicht genutzt wird. Es muss daher beim Mappen auf der gesamten Länge des Weges klar werden, dass hier entgegen der Beschilderung Radfahrer verkehren.

“Diese” Zeichen 250 gibt es tausendfach in ganz DE, gemeint ist sehr wahrscheinlich oftmals 260, aber die haben soo viele 250 auf Lager und irgendwo “müssen“ die wohl hin …

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Oft sind das falsche Schilder. Sie sollten aber entsprechend nach OTG erfasst werden. Fahrrad-Router können selbst entscheiden wie sie mit Zeichen 250 umgehen. Ignorieren, wenn zusammen mit Radroute. Ignorien, wenn highway=track. Usw. Das muss nicht bei der Datenerfassung passieren.

Da OSM eine Datenbank ist, die die Realität wiedergibt, kann man mit ihr solche Stellen dann identifizieren.

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Und eine Email an die zuständige Behörde.

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Dafür gibt es:

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Dafür müsste man aber wissen, dass es tatsächlich ein falsches Zeichen ist. Ich kenne Radrouten, wo es durchaus gewollt ist, dass man Abschnitte nicht fahren darf.

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Gerade mal die 3 Radrouter auf osm getestet:

  • vehicle=no wird von allen 3 beachtet ( → kein Radrouting)
  • vehicle=agricultural wird nur von OSRM beachtet

Ganz genau, alle Verkehrszeichen so erfassen wie sie (meist wohl fälschlicherweise) da stehen. Im Bodenseekreis sehen die Reaktionen der Behörden dann so aus:

Danach dann das richtige neu montierte Verkehrsschild mappen.

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Ich habe allein in meinem Landkreis schon über 200 Vorkommen von DE:250 an Feld- und Waldwegen entdeckt. Da die Ausführung aber so inkonsequent ist (an manchen Einfahrten DE:250, an anderen DE:260, obwohl die Wege alle miteinander verbunden sind) tagge ich hier entweder gar kein access an den Track, oder sonst nur motor_vehicle=*. statt vehicle=*.


So ist es leider. Und wenn man eine Kommune mit eher klammer Kasse anschreibt, dann ist auch nicht sofort ein Schildertausch zu erwarten. Mit etwas Glück werden dann vielleicht immerhin keine neuen DE:250 mehr bestellt / aufgestellt.

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Man könnte doch einfach per Aufkleber aus dem 250er ein 260er machen?

Bei uns wurden bereits Zwischenwegweiser des Radnetzes, wo der rote Pfeil verblichen war so wieder repariert.

Wobei hier natürlich die rechtliche Zulässigkeit zu prüfen wäre.

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Massenhaft Aufkleber ausdrucken und auf alle 250er kleben. Das wäre doch mal eine Idee für eine OSM-Wochenaufgabe! :heart_eyes:

Bitte nicht zu ernst nehmen…

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die Overpass Abfrage liefert einige false-positive Ergebnisse. Erweiterte Abfrage

[out:json][timeout:25];
{{geocodeArea:Dortmund}}->.searchArea;
nwr[“traffic_sign”~“^DE:250(,|$)”][traffic_sign!~“1020-12”][traffic_sign!~“1022-10”][traffic_sign!~“DE:357-50”] (area.searchArea);
out geom;

Meine Vorgehensweise wäre in etwa so:

traffic_sign=DE:250

als Punkte, wo die entsprechenden VZs stehen. Die Schilder sind on the ground, zweifelsfrei verifizierbar und helfen anderen Mappern, die rechtliche Lage vor Ort nachzuvollziehen. Falls sich die Beschilderung später ein mal ändern sollte, ist das leichter feststellbar, wenn man die (früheren) Stellen der Schilder kennt.

Den access am Weg würde ich nach deiner Beschreibung wahrscheinlich so erfassen:

motor_vehicle=no
note=Eigentlich vehicle=no (und damit bicycle=no) wegen VZ 250, der Weg ist aber gleichzeitig als Radroute ausgewiesen

Ich denke eine perfekte Lösung gibt es für solche Fälle nicht. Wichtiger ist aus meiner Sicht die separate Erfassung der Verkehrsschilder vor Ort und die Dokumentation von “Interpolationen” oder Vereinfachungen der Access-Tags am Weg (z.B. wie oben als note=...).

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Ich würde das nicht machen. Im Zweifelsfall (Unfall) zählt das Schild:

https://www.verkehrsunfallsiegen.de/zusammenstoss-zwischen-radfahrer-und-fussgaenger-haftungsverteilung/

Aus Sicht des Senats ist unerheblich, mit welcher Begründung das Verkehrszeichen 250 aufgestellt worden ist – nach der Auskunft der Stadt I. vom 22.03.2007 (Bl. 45 d. A.) um den Vollzugsorganen die Ahndung von ordnungswidrig abgestellten Fahrzeugen zu ermöglichen -, sondern maßgeblich, dass mit der Anordnung die Verkehrsteilnehmer die darin enthaltenen Ge- und Verbote zu befolgen haben, § 41 Abs. 1 StVO.

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Mein Punkt ist nicht, dass man das so machen muss oder überhaupt abseits von einigen Sonderfällen so machen sollte, sondern dass es in manchen Fällen sinnvoll sein kann, nur den motor_vehicle=no-Anteil des VZ 250 zu taggen. In dem beschriebenen Szenario vom 1. Beitrag kann man entweder

  1. rechtlich-korrekt taggen (vehicle=no und damit auch bicycle=no), mit unerwünschten/fragwürdigen Ergebnisse beim Routing oder
  2. bicycle=no im Tagging ignorieren (wenn es eine angemessene Begründung dafür gibt) und damit Routing-Ergebnisse erhalten, die der Lage vor Ort insgesamt besser gerecht werden.

Beides zusammen geht nicht, und für beide Varianten gibt es gute Argumente. Deshalb mein Punkt, dass man zumindest die Schilder präzise in OSM abbildet und ggf. für andere Mapper dokumentiert, wie und warum man sich für die eine oder die andere Variante entschieden hat.

Ein VZ 250 nicht-vollständig im Tagging abzubilden ist sicherlich nicht in jedem Fall angemessen. Im oben beschriebenen Szenario (mehrere Radwege auf der Route, andere VZ250 mit Rad frei, Strecke konzipiert als Rad-Alternative zu vielbefahrener Straße) halte ich das zumindest für eine mögliche Entscheidung, wenn man die Lage vor Ort gut kennt.

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Mit access Tags erfasst man die rechtliche Situation und die ist bei einem Zeichen 250 klar. Da gibt es keinen Ermessensspielraum. Auch eine Radroute ändert daran nichts.

Ein Zeichen 250 (vehicle=no) zu ignorieren, wenn eine Radroute darüber läuft, kann an anderer Stelle gemacht werden. Das müssen wir nicht in den Daten machen. Wir nehmen Routern sonst auch die Möglichkeit darauf hinzuweisen.

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Wir haben das gleiche Problem zig-tausendfach in Italien. Ich habe es aufgegeben, jedesmal die entsprechende Behörde zu informieren, und benutze - leicht zweckentfremdet - bicycle=permissive.

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Dieses Problem haben wir hier auch flächendeckend. Anfangs habe ich noch die jeweilige Gemeinde angeschrieben oder angerufen, mittlerweile mache ich das nicht mehr, da zu zeitaufwändig und es eigentlich nicht unsere Aufgabe ist, die Ordnungsbehörden über eine ordnungsgemäße Beschilderung zu informieren.

Das Problem wird zusätzlich durch die inkonsistente Beschilderung verschärft

oder einseitig landwirtschaftlicher Verkehr frei, an der anderen Seite aber Anlieger frei oder auch einseitig schon mal gar keine Beschilderung.

Ich gehe mittlerweile so vor:

Ich bilde die Beschilderung mit einem node auf dem highway und den entsprechenden Tags ab, also z.B.

traffic_sign=DE:250,1026-36

Die selben Tags setze ich zusätzlich an den highway selber. Als restriction tagge ich dann (wie @Shaun_das_Schaf)

motor_vehicle=agricultural

weil das auf jeden Fall korrekt ist, denn es dürfen dort definitiv keine Motorfahrzeuge außer landwirtschaftlicher Verkehr fahren - die unmotoisierten Fahrzeuge “vergesse” ich dabei einfach.

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Also bei mir sträuben sich zu viele Nackenhaare, wenn mit access-Tags die (rechtliche) Situation nicht 100% treffend abgebildet wird (also z.B. motor_vehicle=no statt vehicle=no) und man es nutzt, um es für Radfahrer in die gewünschte Form zu verbiegen.

Da würde ich @OSM_RogerWilco zustimmen.

Ich stand aber auch schon oft vor dem hier besprochen Problem. In meiner Stadt gibt es einen Mängelmelder (Meldoo), den man dafür nutzen kann, aber wie andere schon schrieben: es ist mühsam und meine Erfahrung ist, dass innerstädtische Schilder durchaus zeitnah geändert werden, aber bei Schildern an Feld-/Waldwegen passiert oft nichts oder es dauert ewig oder man muss es mehrmals melden. Habe etwas den Eindruck, dass die Stadt sich da teilweise nicht direkt zuständig fühlt (sondern die Forstabteilung o.Ä.), und es dorthin weitergeleitet wird. Und da versinkt es dann in den Untiefen der Bürokratie oder es wird nicht als relevant genug angesehen, und eine Rückmeldung gibt es sehr oft auch nicht (Digitalland Deutschland …)

Angesichts all dieser Probleme halte ich die Lösung mit bicycle=permissive (siehe @voschix) noch für die am wenigsten schlechte, um es mal so auszudrücken. Damit wird die Situation eigentlich am besten abgebildet, wenn es starke Indizien gibt, dass Radfahrer eigentlich nicht ausgeschlossen werden sollten (Kenntnis der lokalen Situation natürlich hilfreich bzw. notwendig). Ich habe das auch schon öfters so gemacht, und hoffe, dass Router damit wie gewünscht umgehen (hab das nicht gründlich getestet, gehe aber mal davon aus).

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Ich sehe nicht, warum das frei erfundene bicycle=permisse besser sein sollte als das zumindest sachlich richtige motor_vehicle=agricultural, bei dem lediglich die Erfassung nichtmotorisierter Fahrzeuge unter den Tisch fällt.

Wenn ich bei der zuständigen Behörde anrufe und die Auskunft erhalte “Ja, natürlich dürfen Radler diesen Weg benutzen” (so war es bei allen in der Vergangenheit gemeldeten Fällen), dann kann ich daraus sowohl das eine als auch das andere Tagging ableiten. Der einzige Unterschied zu früher ist, dass ich jetzt nicht mehr anrufe.

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