Genau das meine ich. Es ist wenig hilfreich, das Rad neu erfinden zu wollen, wenn damit die eigendlichen Probleme nicht gelöst werden.
Ich denke nicht, dass wir eine Alternative zu abandoned brauchen. Höchstens eine Präzisierung oder Erweiterung in der bereits bestehenden Definition.
Aber natürlich kann weiterhin über Alternativen nachgedacht werden. Aber egal, was dabei herauskommt: Es wird das dieser Diskussion hier zugrunde liegende Streitthema nicht lösen.
Wir haben bereits einige gebräuchliche Lifecycle-Präfixes (ist das richtig geschrieben - egal) zur Verfügung:
disused:*
abandoned:*
razed:*
…
Wie bei so vielen Attributen ist es schwierig, diese unterschiedlichen Attribute eindeutig voneinander abzugrenzen. Das kennen wir in OSM von sehr vielen Attributen. Daher gibt es ja auch ständig Diskussionen darüber, welche Straßenklasse die passende ist, um was für einen Haustyp es sich handelt, …
Manchmal ist es sinnvoll, sich auf ein neues Attribut zu einigen, weil etwas sich mit einem der bestehenden Attribute nicht passend darstellen lässt.
Aber andererseits sorgen manche Attribute auch zu noch mehr Abgrenzungsproblemen. Ein Beispiel ist die Abgrenzung zwischen access=private, access=permissive und access=permit. Zu viele, sich nur im Detail unterscheidende Attribute führen nicht zu mehr Präzision in der OSM-Datenbank sondern zu mehr Unschärfen, da es mit zunehmender Anzahl der Attribute auch immer schwieriger wird, dem Objekt das “objektiv richtige” zuzuordnen.
Ich erinnere mich gut an so manche Diskussion hier im Forum, in der es um die “korrekte” Zuordnung von disused, abandoned und razed bei Eisenbahnlinien ging. Solche Diskussionen müssen immer und immer wieder geführt werden und führen nie zu einem eindeutigen Ergebnis, da die Übergänge zwischen verschiedenen solchen Attributen immer fließend sind und die Zuordnung immer eine subjektive ist. Mehr Attribute führen daher oft nur zu noch mehr Subjektivität und Unschärfe statt zu mehr Objektivität und Präzision.
Daher werden auch manche Attribute mit viel Aufwand entwickelt und eingeführt und anschließend dann kaum genutzt.
Daher stelle ich mir inzwischen oft die Frage: Gibt es für einen bestimmten Anwendungsfalls nicht bereits ein Attribut, dass dem konkreten Anwendungsfall nahe kommt, auch wenn es ursprünglich für diesen Fall nicht gedacht war? Und genau sehe ich das im Fall von unbefestigen Waldwegen und dem Attribut abandoned.
Natürlich unterscheiden sich eine aufgegebene asphaltierte Straße, aufgegebene Geschäftsräume oder eine aufgebene Eisenbahnlinie von einem aufgegebenen, unbefestigten Wanderweg oder einem aufgebenem Forstweg. Aber braucht es deswegen ein komplett eigenes Attribut dafür? Ich denke nein. Denn worin würde sich ein abandoned:highway=path von einem “neues-Attribut”:highway=path grundsätzlich unterscheiden? Und wäre eine solche Unterscheidung entscheidend wichtig?
Ist es bei einem abandoned:highway=unclassified entscheidend wichtig, ob man dort noch zu Fuß entlang kann oder ob man mit einem Geländefahrzeug vielleicht sogar dort noch entlang könnte? Ich denke nicht. Ich denke nicht. Die Straße ist aufgegeben, auch wenn man dort mit einem geländegängigen Fahrzeug noch entlang fahren könnte.
Und ist eine Nutzung zu Fuß oder mit einem Geländefahrzeug weiterhin vorgesehen, kann eine entsprechende Präzisierung über weitere Attribute erfolgen:
z.B. abandoned:highway=primariy in Kombination mit highway=service oder highway=track in Kombination mit highway=path
… was eine Diskussion ist, die auch noch zu keinem Konsens geführt hat und wahrscheinlich auch nicht führen wird. Ich persönlich weitere mich, solche Trampelpfade im Bereich des Gleisschotters einzutragen und führe nur die Trampelpfade mit dem entsprechenden Attribut informal=yes bis an den Rand des Gleisschotters. Denn auf dem Schotter ist kein Trampelpfad erkennbar. Denn dort gibt es keinen Bewuchs, der durch das Begehen weggetrampelt wird. Dass es auf dem Gleisschotter einen Pfad gibt, der über die Schienen führt, kann man also lediglich daraus schlussfolgern, dass es auf der gegenüberliegenden Seite auch einen Pfad gibt. Im einem solchen Falle weigere ich mich, diese Schlussfolgerung in einen entsprechenden Eintrag umzusetzen.
Aber das ist meine persönliche Haltung dazu, die ich aus einer Abwägung zwischen Nutzen und Schaden entwickelt habe. Denn um so länger ich bei OSM aktiv bin, um so mehr ist mir bewusst geworden, dass man auch eine Verantwortung trägt für das, was man einträgt. Anderes Beispiel: Es hat mich angesichts immer präziser werdender Luftbilder und teilweise auch entsprechender Sichtbarkeit von der Grundstücksgrenze aus gereizt, bei Einfamilienhäusern auch die Terrassentür, den Kellereingang und die dazugehörigen Wege zwischen Haustür und Nebeneingängen einzutragen. Ich unterlasse das aber in der Abwägung zwischen Nutzen (Orientierung) und Schaden (Information für Einbrecher / Verletzung der Privatsphäre).
Und genau in einer solchen Abwägung halte ich auch in einem Nationalpark für ein sehr schwaches Argument, wenn man sich darauf beruft, ein bestimmter Weg sei ja nicht aufgegeben, da er faktisch (wenn auch illegal) noch benutzt werde. Denn wie hier ja bereits dargelegt wurde, wären diese Wege als solche bereits zugewachsen und nicht mehr als Wege erkennbar, würden sie nicht permanent illegal genutzt.
Wir mappen, was vor Ort sichtbar ist, wir mappen aber auch die bekannte rechtliche Situation und wir mappen den bekannten Status eines Objekts (propsed:highway=* ist für Letzteres ein Beispiel - vor Ort ist nur ein Acker zu sehen, auch rechtlich gesehen handelt es sich noch um einen Acker aber die Planung der Straße ist schon so weit fortgeschritten und verbindlich, dass es den Eintrag rechtfertigt). In diesem Sinne rechtfertig es aus meiner Sicht auch ganz klar, die hier diskutierten Wege im Nationalpark als abandoned:highway einzuordnen, auch wenn sie aufgrund illegaler Nutzung weiterhin nach vielleicht nicht mehr gepflegten aber noch nicht aufgegeben Weg aussehen.