Schneeräumungspriorität

Moin!

Durch Sturmtief „Elli“ sehen wir gerade sehr deutlich die Prioritäten der Straßenräumung des Winterdienstes. Um das zu erfassen haben ein par Mapper winter_service:priority erdacht, allerdings gibt es für Deutschland keine Werte.

Ist das Sache der Kommunen, der Länder, oder gibt es eine deutschlandweite Einteilung? Ich fände es durchaus interessant, die Priorität zu erfassen, denn die ist tatsächlich nicht immer deckungsgleich mit der Straßenbedeutung, zumindest hier in Hannover.

Weiß da jemand mehr?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es im deutschen Recht eine bundesweit oder landesweit verbindlich festgeschriebene Reihenfolge gibt, nach der Straßen geräumt werden müssen („erst Bundesstraße, dann Landesstraße, dann …“). Die Priorisierung erfolgt vermutlich verwaltungsintern nach allgemeinen Verkehrssicherungsgrundsätzen und richtet sich dabei nach den individuellen Gegebenheiten vor Ort, nicht nach einer gesetzlich normierten Rangfolge. In diversen Straßengesetzen oder Streupflichtverordnungen wird festgelegt, wer zuständig ist und welche Pflichten bestehen, aber eine solche Reihenfolge habe ich noch nie gesehen.
Auf Ebene des Bauhofs/der Straßenmeisterei, die die Arbeiten durchführt, gibt es sicherlich Einsatz- und Räumpläne, die Prioritätsstufen enthalten. Diese sind jedoch rein verwaltungsintern, nicht Teil der Satzung und begründen deshalb keinen einklagbaren Anspruch auf entsprechende Durchführung.

Am relevantesten finde ich das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 09.10.2003 (III ZR 8/03) mit den Kernaussagen, dass die Verkehrssicherungspflicht nur im Rahmen des Zumutbaren besteht und Kommunen Hauptverkehrsstraßen, gefährliche Strecken und stark frequentierte Bereiche vorrangig behandeln dürfen, während Nebenstraßen zeitweise ungepflegt bleiben dürfen, ohne dass dies pflichtwidrig ist. (Seite 4 und 5 sinngemäß).

Meines Erachtens ergibt sich daraus aber keine „Priorität” gemäß der OTG-Regel, die man eintragen könnte.

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Hier in Mülheim, gibt es dazu 2 Hauptkategorien:
W1 (Winterdienst vorrangig)
W2 (Winterdienst nachrangig)
und innerhalb der Hauptkategorien gibt es noch Unterkategorien:
W1.3 Straßen mit überörtlicher Verkehrsbedeutung
W1.2 Straßen mit besonderer innerörtlicher Verkehrsbedeutung
W1.1 Anliegerverkehrsstraßen
W2.2 Straßen mit besonderer innerörtlicher Verkehrsbedeutung
W2.1 Anliegerverkehrsstraßen
Die ‘fertige’ Karte der Stadt (mit kleinen Fehlern): Winterdienstkarte Mülheim
oder als Straßenverzeichnis.
In der Praxis wird davon -sinnvollerweise- auch mal abgewichen. Beispielsweise wenn ein Winterdienstfahrzeug von einer W1 zu einer anderen W1-Straße fährt, räumt/streut der auch mal eine W2-Straße gleich mit.

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Finde das Mappen eine gute Idee,
besonders da ich selbst meine “Navigation” danach anpasse wie geräumt wird.

Genau und das könnte man Mappen durch Zeitungsartikel oder durch teilweise auch durch Vor-Ort Erfahrungen. Wie Granular ist eine andere Frage…

Off Topic: Ich habe mich in den letzten Tagen gefragt, ob die Stadt das ernst meint, wenn sie Fahrradstraßen ausweist, diese dann aber überhaupt nicht räumt ;)

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Das Tag hat in meinen Augen gar keinen Sinn.

Die Bauhöfe werden sich die Prio-Pläne sicherlich nichts aus OSM holen, sonst trage ich meine Strecken mal direkt mit “Priority: 1A; Räumintervall: 0,5h” ein ;-).

Ich stelle mir das so vor, dass die Räumstrecken, wie Buslinien, vorliegen und nach festem Verlauf und festem Zeitplan abgefahren werden. Die Höfe kennen doch ihre Steigungen, ihre Verkehrsbelastung und ihre Schneeanfälligkeit doch besser als du und ich. Alles andere kann nicht funktionieren.

Das einzig interessante, und da kann OSM nicht wirklich helfen, wäre, wenn die “Fahrpläne” einsehbar wären.

Dann könnte man seine Fahrten so planen, dass man möglichst frisch geräumte Strecken hat. Nach kurzem Nachdenken finde ich aber auch da soviele Nachteile und potenzielle Probleme, dass das auch zum Scheitern verurteilt ist.

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Ja, die meinen das zwar ernst, tun es aber so gut wie nie, obwohl die Straße vor unserem Haus nicht nur eine wichtige Durchgangs- und Verbindungsstraße (Bundesstraße B265) ins 5 Kilometer entfernte Belgien mit Dringlichkeitsstufe 1 ist und der Radweg als Radroute dazugehört.

Während die Fahrbahn in beiden Richtungen relative zeitnah und teils mehrfach am Tag geräumt und gestreut wird, wird die verpflichtende Räumung und Streuung des Radweges entweder gar nicht erbracht und wenn manchmal doch, schaut es so aus wie im Prinzip gar nicht …

Das nennt man Verarsche, für die wir Winterdienstabgabe an die Stadt zahlen.

Danke und volle Zustimmung! Außerdem setzen wir gnadenlos aber mit Augenmaß Salz für den Gehweg ein, obwohl verboten. Die können uns mal …

Was vor Ort verifizierbar ist sind die Hinweisschilder, dass ein Weg gar nicht geräumt wird.

(Muss meine Stadt ausnahmsweise mal loben, da alles mit blauem Lolli, was ich bisher so gesehen habe, auch ähnlich gut geräumt wird wird die Hauptverkehrswege für KFZ)

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In meiner Heimatstadt Wildeshausen werden Gehwege bzw. Geh+Radwege meist nur von den Anwohnern geräumt. So ziemlich alle hw=living_street werden gar nicht geräumt, Ausnahme scheint nur die Einkaufsmeile zu sein.
Fahhradstraßen (bicycle_road=yes) waren nicht geräumt, nur die Nebenwege.
Bemerkt habe ich das nur, weil ich gerade die feehlenden Haussnummern abfahre.
Mappen würde ich das aber eher nicht, kann sich ja jederzeit ändern und ich würde es kaum mitbekommen, der letzte nennenswerte Schneefall war hier in 2010.

Auf geschlossener fester Schneedecke kann man prima radeln. :wink:

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Auch wenn es noch ein wenig Salz in die Wunden reibt: es geht auch anders.

Hier ein Foto aufgenommen an der Papsouwselaan (Durchgangsstrasse) in Delft, NL am Mittwoch. Die Radwege entlang von Durchgangsstrassen werden meist innerhalb eines Tages geräumt. Andere Radwege allerdings nicht, aber mit ein paar Umwegen kommt man überall gut durch…

Generell ja, bei 10-15 cm Schnee eher nicht mehr, zumindest nicht mit meinem Treckingrad.
Ich versuche immer und überall mit dem Rad durchzukommen, aber spätestens wenn einige Autos den Schnee zu Eis verdirchtet haben weiche ich dann auf die Nebenwege aus. Auf den Hauptstraßen ist es umgekehrt, da kann man besser auf der geräumten Fahrbahn bleiben.
Vielleicht mache ich tatsächlich mein MTB mit Spikes noch mal wieder flott, gammelt seit 2010 vor sich hin ;)

Na ja, ich kann durchaus verifizieren, welche Straßen hier geräumt werden und welche nicht. Kann ich zwar nur im Winter, aber nur dann ist es ja relevant.

Ja, genau das ist der Mehrwert, den ich hier sehe. Es gibt Straßen, die werden immer als erste geräumt und auch gesalzen/gestreut, solche, die werden dann irgendwann nachrangig geräumt, aber nicht gesalzen/gestreut und eben den Rest.

Die Frage war ja eher: gibt es deutschlandweit einheitliche Prioritätsstufen (1, 2, 3), oder können wir uns zumindest auf ein simples vorrangig/nachrangig einigen, oder verläuft die Idee wieder mal im Sande, weil kaum einer auf die eigentliche Frage eingeht?

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Ich sehe auf dem Photo nichts anderes, als daß dieses “Räumfahrzeug” den Schnee auf dem Radweg mit seiner Schaufel lediglich auf den ohnehin schon versauten Fußweg schaufelt.

Das ist doch noch mehr gestört wie alles andere!

In meinem Wohnort findet sich auf der Website der Stadt, neben etwas Standard Text folgendes:

Kategorie I Hauptstraßen

Kategorie II Verbindungsstraßen

Kategorie III Wohngebiete

Mit Schmalspurfahrzeugen werden Radwege sowie die gemeinsamen Geh- und Radwege geräumt und gestreut. Die Handräumtrupps führen primär den Winterdienst an den städtischen Gehwegen, Fußgängerüberwegen und Buswartehäuschen durch.

Von oben herab, also Prio1 werden wohl die Autobahnen haben und dann abwärts der Verkehrsbedeutung nach Bundes und Landstraßen. Im städtischen Bereich beruht die Einteilung wohl auf Erfahrung, Verkehrsaufkommen, Steigungen usw.

Das hat damit zu tun, dass es in den NL keine Räumpflicht für den eigenen Bürgersteig gibt (wo Belgier und Deutsche wohnen, erkennt man daher sofort :grin: ), worüber sich viele auch regelmässig folgenlos beklagen. Dafür dürfen die Fussgänger grundsätzlich falls nötig die Fahrradwege mitbenutzen, und die Radler müssen aufpassen (zumindest theoretisch). Für die Radpendler jedenfalls besser, als wenn nur König Auto berücksichtigt wird durch die Gemeinden.

Die kann’s schon deshalb nicht geben weil die Räumpflicht - typisch deutsch - auf alle Ebenen zersplittert ist.

  • Autobahnen: Bund (macht dann die Autobahn GmbH)
  • Bundes- und Landesstraßen: Land (der Landesbetrieb z. B. Hessen Mobil oder Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz)
  • Kreisstraßen: der Landkreis
  • innerörtliche Straßen: die Gemeinde

So kann es dann passieren dass einem drei getrennte Räumfahrzeuge hinterherfahren. Diese Situation hab ich mal in einem Winter (war nicht dieser Winter) genau so erlebt: da fuhren dann genau hintereinander zuerst der LBM Rheinland-Pfalz Straßenmeisterei Worms, dann ein Räumfahrzeug des Donnersbergkreises, dann ein Räumfahrzeug der Stadt Kirchheimbolanden.

Das Problem der Prioritäten ist die Überprüfbarkeit vor Ort. Winterdienst ist nur an bestimmten Tagen erforderlich. Wenn man während starkem Schneefall das Winterdienst-Ergebnis prüft, wird man zu einer anderen Einstufung als einen Tag später bei Sonnenschein kommen.

Ich für mich habe vor etwa zwei Jahren begonnen, beobachtete Winterdienste (wenn man das Salz liegen sieht usw.) zu erfassen. Ich werde mich weiterhin auf winter_service=* und winter_service:(plowing|salting|gritting)=* beschränken.

Prioritätsstufen sollten irgendwie auf eine numerische Skala übertragen werden. Wer das will, könnte sich mal die Einstufungen verschiedener Baulastträger ansehen, damit ein brauchbares Schema herauskommt.

Vielleicht sollte die Winterdienstpriorität auch als ein Hinweis von vielen für die highway-Klassifikation verstanden werden?

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Das stimmt, aber es interessiert ja vor allem das Ergebnis bei starkem Schnellfall. Und das ist durchaus verifizierbar. Ich sehe da also kein Problem oder Widerspruch.

Nein, das korreliert nur teilweise. So werden bei uns zusätzlich zur Verkehrsbedeutung vor allem Straßen entlang von Busrouten, Straßen vor Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten oder Polizei geräumt. Und das kann man immer noch sehen, weil der Winterdienst beschlossen hat, dieses Jahr nur die Straßen mit hoher Priorität zu räumen und den Rest einfach gar nicht.

Für Routing bei Schnee und/oder wäre es aber wichtig zu wissen, welche Straßen auf jeden Fall geräumt sind, weil es eben nur ein Bruchteil der Straßen sind.

Stimmt. Aber vermutlich haben die alle mindestens Prio hoch/niedrig. Aber ich seh schon, dass keiner mal überlegt, was man auf jeden Fall einträgt, sondern nur überlegt, warum es nicht geht :wink: