Rhöner Sprüche - ist das Kunst oder was?

In der Thüringer Rhön gibt es wie überall zahllose Themenwanderwege, um den langsam sterbenden Wandertourismus anzukurbeln. Einer davon ist die Rhöner Holzkunst Route. Dort stehen u.A. Holzkunstwerke (Statuen etc.) als auch einfache hölzerne Stelen mit einer Metallplakette, auf der dem interessierten Wanderer eine Volksmund-Weisheit im Rhöner Dialekt angedient wird:

Davon gibt es eine ganze Menge, und m.E. sind das weder Kunstwerke noch Infotafeln. Ich tagge solchen Krimskrams, für den es keine speziellen Tags gibt, gerne ganz allgemein als tourism=entertainment und hänge eine description dran, hier tendiere ich zu

tourism=entertainment
description=Holzstele mit einem Rhöner Spruch
inscription=Bär mit em Teufel fröhstöck will, mos en loange Läffel ho

Jemand eine bessere Idee? Ich bin offen für jeden Vorschlag.

Da es sich im Original um einen Dialekt handelt ist das für Fremdsprachler potentiell etwas problematisch.
Google-transliert ins Englische wird daraus:
If a bear wants to have breakfast with the devil, he must have a long spoon..
Obwohl schon erstaunlich viel richtig erkannt wird ist der “Bär” aber ein echtes ‘Missverständnis’.
Vielleicht solltest du dazu noch einen weiteren Tag hinzufügen:
inscription:de=Wer mit dem Teufel frühstücken will, muss einen langen Löffel haben

Auch in’s Deutsche übersetzt erzeugt der ‘Problem-Bär’ das gleiche Missverstehen:
Wenn ein Bär mit dem Teufel frühstücken will, muss er einen langen Löffel haben.

Warum dann nicht als tourism=artwork taggen?

tourism=entertainment ist nicht sehr verbreitet, gelinde gesagt. :face_blowing_a_kiss:

Weil ich bei tourism=artwork ein Kunstwerk (egal ob schön oder schaurig) erwarte und keine Spruchtafel. Kunstwerke gibt es tatsächlich auch an der Route. Die sehen dann z.B. so aus:

Man muss den Leuten ja nicht alles vorkauen, oder? Ein bisschen Denkarbeit schadet niemandem. Wobei dieser Spruch noch zu den besser verständlichen gehört. Da gibt es z.B. noch

“Bos de vürm Bärch ned henger dei host, hoste hengerm Bärch noch vür dei”
(Deepl: If you didn’t have it behind the hill, you still had it behind the hill before that) :joy:

“Be de Lüd, so’s Gezück”
(Deepl: That’s just how people are)

Vielleicht verlinke ich zu jedem Sprücheding einfach das Foto, da steht es dann nicht nur zusätzlich in Deutsch drauf, sondern auch mit Erklärung, was es bedeutet :cowboy_hat_face:.

Eine Holzstelle mit dem Spruch drauf halte ich im weitesten Sinne auch für ein Kunstwerk.

Und inscription:de kann man wirklich ergänzen, steht ja schließlich so drauf.

Nee, also da gehe ich nicht mit. Die Stelen sind eine maschinelle Serienfertigung und die Spruchplatten sind ebenfalls maschinell graviert. Das hat mit einem individuellen Kunstwerk m.E. nichts zu tun.

Dem widerspreche ich ja nicht allen Ernstes, kann man selbstverstänlich machen. Man könnte auch den gesamten Text einfach in das Feld inscription packen, es gehört ja alles zusammen. Man könnte es aber auch ein wenig rätzelhaft belassen und nur das Foto verlinken, ist ja kein routing- oder sonstwie -relevantes Objekt.

Sorry, aber ich höre da einen leicht gringschätzigen Unterton den Datennutzern gegenüber :disappointed_face:

Ich verstehe hier vom Röhner-Platt genauso wenig wie Deepl. Liegt das deiner Meinung nachan einem Mängel an Denkarbeit?

Auf deinem Bild sieht man einen QR-Code. Da ich selbst (derzeit noch) kein SmartPhone nutze, finde ich diese Dinger etwas frustrierend. Darin kodiert ist doch zumeist eine URL, über die man weitere Infos abfragen könnte.
qr-code

Leider konnte ich aus dem Bild wegen der zu geringen Auflösung keinen Text dekodieren. Wenn du ein etwas größeres Bild von dem Ding hättest, könntest du mit einer dieser Web-Seiten (Google-Suchergebnisse) versuchen, ob du dazu einen passenden Wert für website=* zum Objekt ermitteln kannst:

Das wäre aus OSM-Sicht doch die präziseste Referenz für weiterführende Informationen zu so einem Tourismus-Element.

Siriusly ??
Wer Rhöner-Platt nicht versteht wird mit einer Rätselhaftstrafe belegt?

Lieber stephan_t,

muss man denn wirklich jeden nicht ganz ernst gemeinten Post mit vielen dicken Zwinkersmileys garnieren, damit das verständlich rüberkommt? Wir reden hier von Objekten völlig nebensächlichen Characters. Darf man da ein bisschen salopp kommentieren oder muss das alles mit tierischem Ernst abgehandelt werden? Ich war der Meinung, ich hätte meinen Post so formuliert, dass meine Absicht klar ist. Falls nicht, bitte ich hiermit förmlich um Entschuldigung.

Ich habe von allen Spruchdingern ein hoch genug auflösendes Foto, auf dem man den gesamten Text in Rhönplatt, Hochdeutsch und Erklärung der Bedeutung zu erkennen ist.

Die lade ich noch nach Wikimedia Commons hoch (und weil es die dort noch nicht gibt, lege ich gleich noch eine eigene Kategorie dafür an) und verlinke dann jedem Spruch sein Foto. Ich denke, damit habe ich genug Zeit in diese Objekte investiert.

Also selbst, wenn ich ausschließlich den Spruch in Rhönplatt taggen würde - wenn jemand wirklich an den Details interessiert sein sollte, würde schon ein Klick reichen, um das Rätsel zu lösen. Und darüber hinaus steht es jedem frei, zusätzlich den QR-Code zu entschlüsseln und die dazu gehörige Website aufzurufen. Damit sollte ich eigentlich meinen Pflichten Genüge getan haben, oder?

Cheers, Mikke

Wenn aber der Künstler sich genau für diese Produktionsweise entschieden hat, weil er …

Ich gehe mal davon aus, dass es für die Herstellung dieser Spruchstelen keines Künstlers bedarft hat. Die Leute auf dem Land sind Selbermacher, die brauchen nicht für jeden Ferz einen Hiwi. Die denken sich sowas selber aus, der Schreiner im Ort fräst die Holzstelen, der Metallbauer im Nachbarort graviert die Schilder und gut ist.

Ich finde diese Spruchtafeln übrigens eine witzige Idee, mal was anderes, als die Kunstwerke, die schon seit einiger Zeit gerne an Wanderwegen aufgestellt werden, um dem Wanderer ein wenig Kultur einzubleuen.

Hallo Mikke,

genau das habe ich doch versucht. Aber mit dem Bildausschnitt[1] war es mir eben gerade nicht möglich es zu dekodieren. Die Auflösung der Gesamtansicht (Totale) reicht dazu leider nicht aus. Mit “einem etwas größeren Bild von dem Ding” meine ich eine Nahaufnahme der Schrifttafel (oder gar des QR-Codes).

Lieber Mikke, es geht uns doch hier im Forum nicht darum Pflichten aufzuerlegen, sondern darum, dass wir Erkenntnisse teilen, wie man zum Beispiel mit geringem Mehraufwand ein besseres Ergebnis erzielen kann.
Hier bedeutet das ganz konkret, dass eine Nahaufnahme der Tafel (bzw. des QR-Codes) eine Entschlüsselung ermöglicht, während eine zu große Aufnahmedistanz das auch bei Hochauflösung versagt. Die Tatsache, dass du im letzten Beitrag einen etwas größeren[2] Bildausschnitt des gleichen Original-Bildes[3], gepostet hast, werte ich hier mal als Zeichen dafür, dass du über keine Nahaufnahme der Schrifttafel verfügst.

Fazit: Eine Nahaufnahme macht wenig Mehraufwand, bringt aber in Bezug auf QR-Codes einen deutliche Vorteil.

PS. Strikt on-topic: Zu deiner Ausgangsfrage “Ist das Kunst?”. Eine Kunsthistorikerin hat mir mal gesagt[4]:
“Die einzigen Institutionen, die in Deutschland verbindlich darüber entscheiden, was Kunst ist, und was nicht, sind die Finanzämter[5]:grin:


  1. in meinem obigen Beitrag eingebettet ↩︎

  2. als meinen QR-Ausschnitts-Dekodierversuch ↩︎

  3. aus dem Anfangsbeitrag ↩︎

  4. ist aber schon ein paar Jahrzehnte her ↩︎

  5. ich glaube es bezog sich irgendwie auf die Künstlersozialkasse ↩︎

Klar, kann man alles machen. Man kann aber auch der Meinung sein, dass jemand, der sich so sehr für diese Sprüche interessiert, einfach selber mal wandern gehen und die QR-Codes scannen kann.

Die Meinungen, wie detailliert ein Objekt zu mappen ist, gehen ja weit auseinander. Dem einen reicht es schon, eine Linie zu malen und highway=track dranzuhängen. Für einen anderen ist ein Track erst dann gemappt, wenn alle Zusatztags dranhängen, die die Struktur und den Zustand im Detail beschreiben.

Der eine setzt für eine Spruchstele einen node und taggt “Hier ist eine Spruchstele und da steht folgender Spruch drauf”. Der andere fügt Übersetzungen in mehrere Sprachen bei, macht Fotos von vorne und hinten, links, rechts, ganz weit und ganz nah, beschreibt die Höhe und das Material der Stele und der Plakette und erfindet zu guter Letzt noch einen Namen für das Teil.

Ich mappe Wege z.B. gerne detailliert, damit die User ihre Trips bedarfsgerecht planen können und Funobjekte eher spartanisch, damit die potentiellen Besucher auch noch ein bisschen was zu entdecken haben (was mal grad gar nichts mit einer Geringschätzung der Datennutzer zu tun hat). Andere Mapper machen es anders, jeder so, wie er mag.

das halte ich eher für unwahrscheinlich. Vermutlich eher öffentliche Ausschreibung. Kannst ja mal nachforschen :slight_smile:

Kannst du doch selbst[1]. Schau halt in’s Kleingedruckte :speak_no_evil_monkey:


:


  1. Selbermacher ↩︎

Man kann auch ganz einfach mal nach Rhöner Holzkunst Routen eine Suche starten (dazu braucht man weder Smartphone noch QR-Code) und findet dann ganz schnell die Seite

Dort gibt es dann wiederum einen Hinweis auf die Seite

https://www.rhoener-holzkunst-routen.de/

mit weiteren Informationen zu diesem Projekt. Und eben diese Seite verbirgt sich auch hinter dem QR-Code. Schon kennen wir die website=* ganz ohne den QR Code zu entziffern.

Die verlinken wir dann am Objekt, und wenn ein Kunstliebhaber die aufruft, bekommt er diese Information:

Kurz und bündig.

:joy:

Edit: Bevor man mich wegen dieser Aussage zusammenstaucht - die website gehört natürlich nicht an die einzelnen Objekte, sondern an die Rhöner-Holzkunst-Routen, an denen diese Objekte stehen … :innocent:

Aha! Danke,
das erklärt auch, warum eine Google-Suche nach dem dialektischen original Teufel-Löffel-Spruch die hinter dem QR-Code vermutete Seite nicht finden kann.
Wenn ich die URL mit http statt https aufrufe bekomme ich einen Redirect auf:
http://www.rhoener-holzkunst-routen.de

Touristische Themenorte

Das dort verlinkte PDF (1 MB) bestätigt dann deine Abgrenzung der Spruch-Stelen (gelbe Rechtecke) von den Holzkunst-Skulpturen (braune Kreise).

PS: Darin findet sich auch das Kleingedruckte: