Porsche Smart Driver nutzt OSM

In den letzten Tagen haben uns im Verein Anfragen von Nutzern von Porsche Smart Driver erreicht. Dabei gehts meistens um falsche Geschwindigkeitsbegrenzungen, die in der App zu einer schlechteren Bewerung des Fahrverhaltens führen.

Zuerst war gar nicht klar, warum die Anfragen bei uns landen, dann später kam dann die erste Antwort mit von Smart Driver:

Wir nehmen den besten und gängigsten Anbieter dafür OpenStreetMap.org.
Sie können direkt an OpenStreetMap die Unstimmigkeiten melden und zur Verbesserung beitragen.
Unser Scoring Modell beachtet diesen Umstand bereits, dass es hier im Verlauf der Nutzungsdauer zu positiven sowie negativen Abweichungen führen kann und trotz-dem ein faires Bewertungsverfahren für alle Nutzer ist.

Coole Lob natürlich, aber ein bissl gar leicht machen sie es sich schon, wenn sie darauf ihre Bewertung stützen. Auf der anderen Seite haben die Leute dann wirklich einen Antrieb, Fehler einzumelden :p

Produktseite: https://www.porschebank.at/produkte/versicherung/smart-driver/

Aus den Nutzungsbedingungen:

Das individuelle Fahrverhalten wird anhand aufgezeichneter Fahrten bewertet und im Anschluss wird eine entsprechende Punktebewertung daraus ermittelt. Die Punktebewertung basiert auf folgenden Kriterien:
tatsächlicher Geschwindigkeit (von GPS) vs. Geschwindigkeitsbegrenzung (aus OSM-Karten-
daten) an einem bestimmten Ort. Gefährliche Bereiche (Schulen, Krankenhäuser usw.) wer-
den erkannt und wenn ein Fahrer einen solchen passiert, kann ein strengerer Geschwindig-
keitswert angewendet werden

Und in der Datenschutzerklärung:

Der Geschwindigkeitswert wird berechnet, indem die in den vom Smartphone-Betriebssystem gemeldeten GPS-Positionsdaten enthaltenen Geschwindigkeitsinformationen mit den vom OpenStreetMap-Projekt bereitgestellten Geschwindigkeitsbegrenzungen verglichen werden.

Klar korrigieren wir nachweislich falsche Beschränkungen. Aber nur weil ein jemand von einer Versicherung auf einer Strecke schlecht bewertet wird, wird da nicht wirklich sofort blind etwas angepasst :D

Wenn die Daten Versicherungsrelevant sind, dann muss auch der Anbiete, also die Versicherung, da Kontrollen und Prüfungen einbauen bzw. selbst haben. OSM kann da nicht allein verantwortlich sein, dafür zu sorgen, dass die Daten für die Versicherung zuverlässig genug sind.

Hat noch jemand was dazu gehört oder gemerkt? Oder was haltets ihr von der ganzen Sache?

Ja, ich finde auch komisch, dass Porsche-Bank hier keine Ressourcen einsetzt.

Schließlich verdienen sie ja mit OSM-Daten in ihrem System. Tom-Tom hat ja auch die Kooperation mit der Community gesucht und denke es funkt da schon ganz gut.

Auch wenn ich für Geschwindigkeit beim Editieren bin, würde ich auch nicht einfach blind die Geschwindigkeiten aufgrund der Einmeldungen anpassen. Da müssten schon entsprechende Nachweise geliefert werden.

Außerdem kann ich mir schon vorstellen, dass Porsche bei ihrer App teilweise nachbessern muss, da es ja doch auch komplexere Geschwindigkeiten gibt zb.: nur zu bestimmter Uhrzeit, oder nur an Schultagen.

Pauschal auf OSM zu verweisen finde ich falsch.

Wäre spannend zu wissen, wie die Daten in der App verwendet werden. Ich habe mich ja einige Zeit damit beschäftigt (und sehe mir das irgendwann wieder an).

Tlw. fehlen die Beschränkungen, da müssten die landesspezifischen Defaults verwendet werden, tlw. ist nur maxspeed:type gesetzt (danke StreetComplete), tlw. gibt es conditional-Werte, und die maxspeeds mögen auch nicht immer richtig sein.

Heiße Geschichte :anguished_face:

Da sollten die BWLer mal ein paar Menschen fürs Mappen bezahlen, würde ich sagen.

Aber im Ernst: Da muss jetzt nur irgendeiner auf TikTok oder YouTube oder wo auch immer sich die Kunden rumtreiben erklären wie die maxspeed Werte bei uns angepasst werden um seinen Score beim Gas Geben nicht zu versauen.

Autoversicherungskunden als nächste PokemonGo Mapper (oder Golfplatz, oder Flugsim, oder FarmSim,…)

Was ein unnötiger Mist da wieder bei uns (in diesem Fall der AT-community) abgeladen wird

In Deutschland nutzt seit vielen Jahren die “Allianz Bonus Drive App” die OSM-Daten, der Dienst wird auch unter der Marke ADAC verkauft. Auch die HUK-Versicherung hat einen OSM-basierten Telematiktarif. Der FOSSGIS hat über die Jahre vermutlich so um die 30, 40 Fehlermeldungen bekommen, ich habe dafür eine Standard-Antwort, die die Leute darüber aufklärt, dass OSM keinen Cent dafür bekommt und dass es unserer Ansicht nach eine Frechheit ist, wenn wir zusätzlich zu den kostenlosen Daten auch noch den Kundensupport kostenlos machen sollen.

In der letzten Zeit ist das aber weniger geworden, ich vermute, dass das daran liegt, dass die Telematiktarife für die Versicherung insgesamt nicht so der Renner sind - meistens entscheiden sich diejenigen Leute für den Telematiktarif, die sowieso defensiv fahren, und die Rowdies bleiben im normalen Tarif, die Versicherung verdient dadurch unterm Strich weniger.

1-2 mal auch Notes auf der Karte von Allianz-Versicherungsagenturen gesehen, bei denen Kundenbeschwerden aufgechlagen sind. Aber halt Glück obs zufällig passende Fotos o.ä. gab zum prüfen.

Eine gerechte Vorgangsweise wäre, wenn der Betreiber der App sich um die Bearbeitung der Nutzeranregungen kümmert, im Sinne einer organisierten Bearbeitung. Das auf die Gemeinschaft abschieben ist nicht vorbildhaft. Immerhin gibt man den Nutzern überhaupt eine Möglichkeit Fehler zu korrigieren.

Könntest du mir die Standardmail zukommen lassen, weil wir auch sowas für osm.at planen?

Die FOSSGIS-Standardmail ging etwa so:

danke für Ihre Mail.

OpenStreetMap ist ein Projekt von Freiwilligen, die ohne Bezahlung Kartendaten erfassen.

Jeder, auch Versicherungskonzerne, darf unsere Daten kostenlos nutzen. Wir bekommen kein Geld von VERSICHERUNG.

Das ist ok für uns.

Was aber nicht ok ist, ist, wenn VERSICHERUNG sich einen feuchten Kehricht um Kunden-Rückfragen schert und sich denkt “sollen das doch die Dummen bei OpenStreetMap machen, dann kostet uns das schon kein Geld”. Die Versicherungen sparen Millionenbeträge, indem sie unser kostenloses Kartenmaterial nutzen statt irgendwo etwas einzukaufen - dann sollen sie ein bisschen von dem gesparten Geld auch benutzen, um Rückfragen wie Ihre selber zu beantworten. Stattdessen kriegen Sie von VERSICHERUNG irgendeine Wischi-Waschi-“wir können da nichts machen, fragen Sie OpenStreetMap”-Antwort. Sie zahlen Ihre Versicherungsbeiträge an VERSICHERUNG, aber die Freiwilligen bei OpenStreetMap sollen kostenlos die Fragen beantworten. Das kann so nicht funktionieren.

Das ist nicht ihre Schuld, Sie wussten das ja nicht. Aber wir sind schon ein bisschen stinkig mit VERSICHERUNG. Es wäre kein Problem für die, ein Kunden-Support-Center einzurichten, das vielleicht auch Fehler bei OpenStreetMap korrigiert, dann hätten wir alle was davon - die Versicherung spart Geld, der Versicherungskunde bekommt guten Support, und OSM bekommt noch bessere Daten. Stattdessen kriegt die Firma den Hals nicht voll und wenn es darum geht, auch mal etwas zurückzugeben, hält man sich bedeckt!

Je nachdem, wie präzise/glaubwürdig die Fehlermeldung war, habe ich den Fehler manchmal trotzdem repariert oder eine Note aufgemacht. Oft war das gemeldete Problem in OSM auch längst repariert. Dann kam natürlich noch ein entsprechender Satz dazu am Ende.

PS Damit nicht der Eindruck entsteht, wir würden nur meckern - wir haben auch zu den beteiligten Versicherungen Kontakt aufgenommen. Die Telematiklösungen kommen allesamt von Zulieferern, und niemand hat ein Interesse daran, sich an der Verbesserung von OSM zu beteiligen. Wir hatten vorgeschlagen, dass wir entsprechendes Personal bei den Versicherungen schulen könnten.

Ich finde es grundsätzlich super, wenn unsere Daten verwendet werden. Und auch, wenn Fehler erkannt und korrigiert werden. Deswegen finde ich das eine tolle Sache.

Falls die Anfragen sich in Grenzen halten und keinen Mega-Aufwand beim Antworten verursachen, würde ich kein Mail mit Vorwürfen an Porsche schreiben, sondern wie üblich auf die Möglichkeit der Mitarbeit und Selbstkorrektur hinweisen.

Sollte es mehr werden oder falsche Eintragungen passieren, sollte ein Kontakt zu Porsche gesucht werden mit dem Ziel, das Porsche-seitig zu vermeiden, zB indem sie eine erste Anlaufstelle einrichten, die die Anfragen beantwortet und ggf. Fehler korrigiert bzw. notes anlegt. Ist ja auch in derem Interesse, dass die Daten richtig sind.

Ich würde jedenfalls mal gute Absicht bei allen Akteur:innen annehmen, wie das bei uns so üblich ist :hugs:

Wir hatten in den letzten 2 Wochen glaub ich 5 Anfragen und die Erwartung der Einsender war schon, das wir das unverzüglich zu ändern haben.

Und daher ist die Vorlage gedacht, dass wir klarstellen, dass wir lauter Freiwillige sind und nix an Porsche verdienen.

Ja, wenn Euch das gelingt, wäre das sicherlich zu begrüßen, dann könnte man in ähnlichen Situationen darauf verweisen und sagen “bei Porsche in Österreich geht es ja auch”. Wir haben da aber, wie gesagt, in Deutschland auf Granit gebissen. Die Versicherung war entweder selber nur Wiederverkäufer (ADAC-Versicherung ist unter der Haube Allianz), oder die Versicherung hatte die komplette Telematiklösung von einem Dritten eingekauft und hatte kein Interesse daran, sich irgendwie um die Daten zu kümmern. Und der Dritte wollte einfach nur Geld mit Versicherungen verdienen und hatte weder Lust noch Kapazität, Kundenanrufe zu behandeln.

Als Ergänzung dazu, was Frederik geschrieben hat: Wir hatten uns mit der Allianz in Verbindung gesetzt und versucht, gemeinsam zu einer guten Lösung zu kommen. Aber da die dafür keinen Aufwand haben wollten bzw. kein Geld in die Hand nehmen wollten, haben sie dann intern an ihren Support die Weisung gegeben, dass man die Leute nicht mehr zu OSM schickt. Ich weiß nicht, was sie den Kunden jetzt sagen, aber wahrscheinlich einfach: “Da kann man nichts machen”. Seitdem schlagen die nicht mehr bei uns auf. Dass es nicht geht, dass wir Support für ihre Kunden machen, das haben sie dann schon eingesehen.

Ich finde die Mailvorlage inhaltlich größtenteils richtig. Den Tonfall find ich als Teil der OSM Community absolut daneben. Bitte schreibt sachliche und klar unsere Position und warum solche weitergeleiteten Anfragen nicht funktionieren. Aber bitte lass nicht deinen Frust und Wut raus.

Wenn ich auf Arbeit eine solche Mail bekäme, würde ich auf jeden Fall keinen Schritt auf OSM zu gehen. Wahrscheinlich würde ich mir überlegen, wie ich möglichst wenig damit zutun haben werde, oder die Anwendung von OSM wegbekommen würde.

Ich bin überzeugt: OSM lebt davon, dass es auch genutzt wird und auch wahrgenommen wird, dass eine freundliche Community dahinter steht. Das sind wir der Welt, die wir mappen schuldig.

Ich greif das nicht aus der Luft, ich bin selbst ITler und unser Chef hat selbst schon Entscheidungen zwischen Bibliotheken getroffen anhand der Freundlichkeit der Community-Antworten.

Ich weiß es nicht, aber die Kooperation mit TomTom wird wahrscheinlich auch eher entstanden sein, weil Entscheidungsträger gute persönliche Erfahrungen mit der Community gemacht haben. So jeden Falls nicht.

Vielen Dank @woodpeck für die Vorlage. Wir werden uns daraus einige Sachen nehmen und daraus eine eigene Vorlage basteln, mal schauen, wie genau.

Der Ton wird in unserer E-Mail aber etwas anders werden :)

Typische Folge von Telematik-Tarifen: Die Nutzer fälschen Geschwindigkeitsbeschränkungen dort, wo sie gerne schneller fahren als erlaubt. Schon vor vielen Jahren etwa hier Changeset: 104684668 | OpenStreetMap