Ich wohne in der Nähe des angeblichen “Tschogels”. Er hatte bisher in der Tat nie einen Namen, auch wenn es sich um einen “richtigen” Gipfel handelt, wenn auch morphologisch nicht sehr markant und mit einer Dominanz von nur ca. 400m und einer Schartenhöhe von nur ca. 15m. Der ganze unauffällig ansteigende Bergrücken wurde in alten Werken immer als “Dorotheer Wald” geführt - die Geländeform war dem früher bewirtschaftenden Dorotheerstift wohl wurscht.

Wie es beim Tschogel genau gelaufen ist, ist mir noch nicht ganz klar. Die Einträge in online-Werken gehen aber überwiegend auf einen Joe62 bzw. Joho23 zurück, um 2012 herum. Wir haben ihn mittlerweile sogar erreicht, er schrieb kurz angebunden, dass er nach 8 Jahren nicht mehr genau wisse, aus welcher Quelle er diesen Namen habe. Meine bisher nicht widerlegte Hypothese ist, dass Joe es (anlässlich seines mutmaßlichen 50. Geburtstags, falls sein Nickname für sein Geburtsjahr steht) lustig fand, einen eigenen Berg (Kofferwort aus dem englisch ausgesprochenen “Joe” und “(Ko)gel” = Joe-gel = Tschogel) zu haben, und dafür wurde ein offenkundig namenloser Gipfel gewählt (sonst hätte es ja noch weniger Chance auf Realisierung gehabt), der in jenem Wiener Gemeindebezirk (23) liegt, in dem Joe mutmaßlich wohnt (falls sein anderer Nickname für den Bezirk steht).
Ich vermute, dass die Beschriftung mit rotem Lack erst nach 2012 durchgeführt wurde, dem relativ frischen Lackzustand nach zu schließen (ich war 2020 dort), aber vielleicht wurde die Beschriftung seither erneuert.
Hier ist der ausführliche WP-Thread samt der mühsamen Lösch-Geschichte: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Liesing_(Wien)#Tschogel_-_Beleg_f%C3%BCr_den_Bergnamen

Diese Thematik (die grundsätzlich was ganz anderes behandelt) ist sicher auch sehr wichtig, aber dazu bin ich hier zu kurz dabei, um die OSM-Historie und die OSM-Mapper-Society zu kennen. Motivationsprobleme gibt es aber mittlerweile glaub ich auch bei WP, soweit ich es verstehe. Es kristallisieren sich einige “hardcore-Schreiber” heraus (sehr überwiegend Männer, soweit ich das verstehe, das erzeugt durchaus auch ein Bias-Problem), viele andere sind durch die inhaltlichen und formalen Anforderungen, technischen Herausforderungen (Vorlagen etc.) und mitunter Diskussionstil einzelner KollegInnen abgeschreckt und verlieren wieder die Lust.

Ich für meinen Teil (als “Neuling”) würde mich bei OSM wohler fühlen, wenn es halbwegs klare Regeln gibt, die überwiegend von allen gelebt werden und auch eingefordert werden, und entweder man akzeptiert diese Regeln und hält sich daran, oder man steigt halt wieder aus. Mir kommt manches hier halt ein bissl wie planloser Wildwuchs durch die (an sich sehr löbliche, da zeitlich sicherlich sehr anspruchsvolle) hochmotivierte Tätigkeit von wenigen Einzelpersonen vor, die von ihrem persönlichen Plan sehr überzeugt sind.

Mir ist z.B. das Einpflegen alter Flurnamen, die es (sicherlich subjektiv) wert sind, nicht in Vergessenheit zu geraten, wichtig (armchair mapping via mapire etc.), aber mir ist klar, dass das andere gänzlich anders sehen, z.B. weil sie nur mappen wollen, was on the ground zu sehen ist.

All das erschwert mir auch die Entscheidung: möchte ich wirklich Karteninhalte verbessern? Wird das von den KollegInnen wirklich auch als Verbesserung gesehen oder als “Störung” durch “Neulinge”? Gibt es auf OSM so viele subjektiv problematische Inhalte, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll, und auch nicht weiß, ob ich überhaupt anfangen soll? Soll ich mir die Mühe machen, penibel meine Quellen zu vermerken, wenn das der überwiegende Teil der Mapper eh unterlässt? Ich für meinen Teil hab diese Fragen für mich noch nicht beantworten können…