Hallo,

emga hat sein OSM-Benutzerkonto letzte Woche löschen lassen. Hier seine letzte Mail von ihm an mich:

Ich hatte mir Mitte letzter Woche schon die Augen gerieben, dass emga sich sowohl auf der Mailingliste Talk-at mit verschiedenen Leuten als auch hier im Forum mit addresshistoryorg herumgeschlagen hat. Am Donnerstagmittag hatte ich genug gesehen und wollte die vier Beiträge in der ersten Multipolygondiskussion, die nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hatten, sondern nur nervenden Befangenheitsfragen an die Moderatoren waren, in einen separaten Thread verschieben, damit addresshistoryorg nicht wieder einen Thread vom Thema wegzieht (hat er schon öfter gemacht und wir haben dann mit Löschungen oder Schließungen reagiert). Ich gebe zu, dass es etwas ungeschickt von mir war, die Aktion nicht mit meinem Co-Moderator abzusprechen. Er hat zeitgleich mit meiner Auslagerung in einen separten Thread, den ich nach dem Auslagern kommentieren und schließen wollte, ebenfalls Moderationsaktionen durchgeführt. Am Ende war die erste Diskussion geschlossen, die vier Beiträge futsch und alle verwirrt. Ich hatte ihm daraufhin meine Telefonnummer und die Nicknames meiner diverse Instant-Messaging-Dienste gegeben. Die Antwort war obige Mail.

Derzeit suche ich einen neuen Moderator und habe deshalb bei einem aktiven Moderator der Mailingliste Talk-at angefragt, von dem mir gesagt wurde, dass dieser sich über untätige Co-Moderatoren negativ geäußert habe. Es erscheint mir sinnvoll, wenn sich ein Moderatorenteam um beide Kanäle parallel kümmert. Die Anfrage ist bislang noch unbeantwortet.

Ich selbst klebe nicht an der Moderator-Tätigkeit und bin nur Moderator geworden, weil ich nicht länger zusehen konnte, wie addresshistory*org hier agiert. Ein persönlicher Angriff gegen mich (oder war es gegen die OSM-Carto-Maintainer?) hat mich damals dazu bewogen, auf den Melden-Link zu klicken. So bin ich Moderator geworden.

Als Moderator bin ich zwischen meinen eigenen Zielen hin- und hergerissen. Einerseits will ich nicht andauernd dazwischengrätschen, andererseits soll ein öffentlicher Kommunikationskanal des OpenStreetMap-Projekts für Außenstehende einladend sein. Die Mailingliste Talk-at tut sich damit schwer, das Forum aber auch.

Ich möchte euch daher bitten, über die folgenden Fragen nachzudenken, und würde mich freuen, Antworten darauf zu erhalten. Statt hier im Forum könnt gerne auch per Mail antworten. Diese Antworten veröffentliche ich natürlich nur mit eurem ausdrücklichem Einverständnis.

Was davon nervt euch? Welche Themen haltet ihr für berechtigt. Worüber sollte man wiederholt diskutieren dürfen, ohne dass der Thread geschlossen wird?
Meine Meinung: Die ersten drei Thesen kann man einmal aufstellen und diskutieren, vielleicht auch zweimal. Dann ist genug. Wenn man eine andere Diskussion aber in diese Richtung ablenkt, halte ich Eingriffe (Bearbeiten, Löschen, Schließen, ggf. Sperren) für angemessen. Beim letzten Fall bin ich eher für die Freiheit eingestellt und würde nichts tun, sofern kein intensives, wiederholtes Kapern von Diskussionen mit diesem Thema erfolgt. Wenn die deutliche Mehrheit ein Professionalitäts- und Vollständigkeitsstreben ablehnt und es dennoch regelmäßig in störender Weise vorgebracht wird, kommt auch bei mir der Punkt, an dem ich mich zum Einschreiten genötigt sehe.

Wie wichtig ist euch der Eindruck des Forums gegenüber Dritten (nicht die Gestaltung der Benutzeroberfläche, sondern die Inhalte)?
Meine Meinung: Wenn in einem Forum nur noch wenige Diskusssionen regelmäßig mit ähnlichen Akteuren und altbekannten Argumenten erfolgen, entsteht für Außenstehende der Eindruck, dass sie da nicht hingehören. Die Mailingliste Talk-at kommt diesem Niveau leider nahe. Das Forum hat zwar andere Themen, aber droht auch thematisch zu verarmen. Aber auch im Forum habe ich schon die unsägliche Diskussion “Forum vs. Mailingliste” gesehen. Einmal ist, gut zweimal auch noch, aber dann sollte ein Schlussstrich gezogen werden.

Welche Art von Angriffen auf bestimmte Personengruppen sind akzeptabel? Wo ist eure rote Linie?
Meine Meinung: Diskussionen über die Sinnhaftigkeit sexueller Orientierungen, Fähigkeiten von Geschlechtern, Ethnien usw. sind dermaßen Off-Topic [1], dass ich da recht flott eingreifen würde. So etwas gehört auf Facebook oder in die Kommentarfelder gewisser Presseerzeugnisse. :slight_smile:

Die pauschale Diffamierung der Leute auf der Mailingliste Talk-at haben emga und ich in der Vergangenheit schon mindestens einmal geahndet (Threadschließung usw.). adresshistoryorg ist dann gern in seinen Benutzer-Blog ausgewichen. Da ich dafür erstens nicht zuständig bin (ist DWG/Sysadmin-Bereich) und zweitens dieser nicht so sichtbar wie das Forum ist, haben mich die Inhalte dort nicht gestört.*

Wann stört das Wiederholen derselben Kritik, wann stören wiederholte Nachfragen
Meine Meinung: Wenn ich den Eindruck habe, dass Nachfragen nicht der Wissenserweiterung und Klärung, sondern dem Nachfragen dienen, handelt es sich um Belästigungen.

Ich habe auch schon überlegt, ob ich die Forenregeln präzisieren oder verschärfen muss. Aber solange ich mit mir selbst nicht einig bin, wie ich sie durchsetze, hat das auch keinen Wert.

Zu meiner Person
Um die Frage nach Interessenskonflikten zu beantworten: Ich bin seit 2011 (vor meinem Studium) bei OSM dabei und habe während meines Masterstudiums (Fachrichtung Geodäsie und Geoinformatik) begonnen, nebenbei als Werksstudent in der Geofabrik zu arbeiten. Seit fast zwei Jahren (Ende meines Studiums) bin ich dort in Vollzeit angestellt. Ich bin also nicht über den Beruf zu OSM gekommen, sondern habe das Hobby zum Beruf gemacht. Die Firma hält sich aus den Fragen des Mappings weitestgehend heraus. Nur der OSM Inspector hat einen großen Einfluss darauf. Die Geofabrik bietet kein „Auftrags-Mapping“ an. Ich persönlich würde da auch in einen Gewissenskonflikt kommen, wenn mein Arbeitgeber mich gewerblich mappen lassen wollte, weil ich da viele Schwierigkeiten sehe – siehe dazu meine langjährige Kritik an gewissen Firmen und meine Mitarbeit an der Organised Editing Policy. Während der Arbeitszeit lade ich schon den ein oder anderen Änderungssatz hoch, aber das ist dann kein weisungsgebundenes Mapping (die Geschäftsleitung gibt mir keinen Auftrag), sondern Dinge, die mir über den Weg laufen (z.B. defekte Polygone), sowie sinnvolle Nutzung von Leerlaufzeit. Kontroverse Änderungen vermeide ich. Unkontroverses wie das Revertieren von Vandalismus habe ich schon vor meiner beruflichen Tätigkeit gemacht und das tue ich aus eigenem Antrieb gelegentlich auch während der Arbeitszeit. Ich habe jedoch schon Mappingschulungen gehalten. Zu diesem Thema habe ich einen Vortrag für die FOSSGIS-Konferenz eingereicht.

Wir haben in OSM eine Reihe an Leuten, die viel tun (auch viel Gutes), aber immer wieder anecken. Es wäre schön, wenn es uns gelänge, diese in einer Art und Weise zu integrieren, dass sie andere nicht verscheuchen, dennoch aber ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft sein können. Leider fehlen mir die Fachkenntnisse im Umgang mit solchen Personen. Ratschläge nehme ich gerne an.

Viele Grüße

Michael

[1] Wenn aber jemand in einer Diskussion, warum der Frauenanteil so gering sei, behauptet, dass die noch immer in der Gesellschaft bestehende Rollenverteilung sich in der Mappingaktivität widerspiegelt, ist das in Ordnung.