"Mein Baum - App" und Kooperationsidee

Mir ist vor einiger Zeit die App vom Bund Naturschutz “Mein Baum” begegnet.
Hier werden einzelne Bäume in Stadtgebieten detailliert erfasst. Einerseits geht es wohl um Öffentlichkeitsarbeit und Werbung für die Ziele des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz in Bayern), andererseits ist auch ein Citizen Science-Ansatz damit verbunden. Für mich sieht das nach unterstützenswerte Forschung und sinnvollen Aktivismus für die Verbesserung städtischer Klimastrategien aus. Die TU München und die Hochschule Weihenstephan/Triesdorf sind mit beteiligt, auch ein (überzeugendes) Radiointerview mit Prof. Dr. Stephan Pauleit der TU habe ich dazu gehört.

Als Karten-Grundlage für die App werden OSM-Daten verwendet.
Ich habe Martina Gehret, die Projektmanagerin vom BUND, angeschrieben, mit der Idee die vorhandenen Daten in OSM für dieses Projekt nutzbar zu machen - und andersherum: die mapping-Aktivitäten der Baum-Mapper auch für OSM zu verwenden.

Hier ist meine Mail (26.4.26) und ihre Antwort:

Guten Tag Frau Gehret,
Die App „Mein Baum“ finde ich gut!
Meine Frage: Gab es schon mal die Überlegung diese App mit der Datenbank von Openstreetmap zu verbinden?
Als Kartengrundlage wird OSM verwendet, in den Kartendaten finde ich aber keine Einträge die über „Mein Baum“ erzeugt wurden.
Wenn man über einen Importfilter die Daten teilen könnte, wäre das vielleicht möglich. Anders herum könnten die Bäume in OSM auf der Karte angezeigt und dann von Baumkartierern ergänzt werden.
Für Straßen und Adressen gibt es eine vergleichbare App mit dem Namen „Streetcomplete".
Eine Kooperation könnte beide Datenbanken im Naturschutzbereich deutlich aufwerten.
Mit freundlichen Grüßen
HA

Hallo Herr HA,
dazu habe ich mir tatsächlich noch keine Gedanken gemacht. Ich werde das intern und mit unserem Dienstleister besprechen. Vielen Dank für den Hinweis.
Liebe Grüße
Martina Gehret

Referat Artenschutz I martina.gehret@bund-naturschutz.de
Citizen Science und Mitmachprojekte
Tel. 0160/5640529
mein-baum@bund-naturschutz.de

BUND Naturschutz in Bayern e. V.
www.bund-naturschutz.de
Landesfachgeschäftsstelle
Bauernfeindstr. 23 I 90471 Nürnberg

Nachgeschoben habe ich:

Hallo Frau Gehret,
freut mich :-)
Meistens ist so was in der Umsetzung dann doch komplexer als gedacht … aber vielleicht klappt es ja.
Echte Experten für Openstreetmap, die auch Schulungen, Beratung, Produkte, usw. anbieten sitzen in Freiburg, bei der „Geofabrik“.
Vielleicht wäre das ein Partner für den BUND Naturschutz, oder auch ein erster Anlaufpunkt, um die Idee zu überprüfen.
Ich habe von IT und GIS (GeoInformationsSystemen) keine Ahnung, bin nur ein Hobby-Mapper.

Herzliche Grüße
HA

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich einige altbekannte Dispute befeuern könnte: Micromapping-pro-und-contra, ab-wann-wird-eine-Baumgruppe-zum-Wald und vielleicht einige mehr.

Das ist nicht mein vordringliches Ziel, sondern mich interessiert, ob

  • meine naive Idee technisch umsetzbar wäre
  • es Leute gibt, die diese Idee unterstützen wollen
  • es schon Kontakte zwischen den App-Entwicklern (die ich nicht kenne) und OSM gibt
  • wie ihr so eine mögliche Kooperation für das OSM-Projekt bewertet

Viele Grüße
HAMap

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Hmm, man sollte die Anzahl an Stadtbäumen nicht unterschätzen. Die Stadt Münster schreibt dazu:

“Stadtbaummanagement: Das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit betreut über 144.000 Einzelbäume, verteilt auf rund 54.000 Straßenbäume und 90.000 Bäume auf städtischen Anlagen (öffentliche Park- und Grünanlagen, Spielplätze, Schulhöfe, Kindertageseinrichtungen). Hinzu kommen etwa 25.000 Bäume in Baum- und Gehölzgruppen außerhalb des städtischen Waldes (Stand: November 2024).

Es gibt auch ein digitales Baumkataster:

Digitales Baumkataster Münster: Das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit pflegt alle Bäume auf städtischen Flächen. Sie stehen vorwiegend in Park- und Grünanlagen, entlang von Straßen und Wegen, auf Spielplätzen und Schulhöfen, in Kindertageseinrichtungen und natürlich im Wald. Insgesamt werden rund 100.000 Einzelbäume baumpflegerisch betreut. Knapp die Hälfte der Baum-Standorte davon ist digital erfasst und in diesem Datensatz enthalten.

Dieser Datensatz enthält für einen Teil der städtischen Bäume die Information über: Geokoordinaten des Baumes und Art des Baumes (im Datensatz steht jeweils der lateinische Name der Baumgruppe).

Sehe ich auch so: Es sind viele Bäume, die für wenige mapper eine Überforderung darstellen.
Darum wäre aus meiner Sicht eine Kooperation mit einem Citizen-Science-Projekt lohnenswert. Außerdem würde das vielleicht sogar neue Mapper werben.
Ein/e OSM-Mapper geht in 3 BUND-Ortsvereine, leitet Baum-mapping an und erzählt von OSM.
Von den 60 erreichten Leuten mappen 30 im Schnitt jeweils ca. 10 Bäume und erzählen im Bekanntenkreis, das man die Bäume in der eigenen Straße erfassen sollte, nicht nur weil man kann, sondern weil es auch Spaß macht und sinnvoll ist … usw

Die digitalen Baumkataster von Städten (die, wenn sie qualitativ hochwertig sind, technisch kompatibel sind, zur Verfügung gestellt werden, passend lizensiert werden und vielleicht sogar fortlaufend gepflegt werden) wären natürlich ein Hauptgewinn.
Gibt es da schon Kooperationen? Hat schon mal jemand versucht an solche Daten zu kommen? Gibt es Städte und Gemeinden, die keine eigenen Lösungen stricken, sondern auf OSM setzen?

Siehe auch:

@OSM_RogerWilco Das ist mir bisher engangen, danke für den Hinweis!

Wow - das ist Meisterklasse, mein Kompliment nach Hamburg!
Ich finde diesen kooperativen Ansatz zwischen OSM und Stadverwaltung ideal. Die Kartierung wie bei “Mein-Baum”-Idee kann niemals diese Fülle guter Daten erzeugen und noch viel weniger auf längere Sicht aktuell halten.

Ich habe nach der Lektüre der Diskussion den Eindruck, dass eine Zusammenarbeit mit dem BUND, im Vergleich zum Projekt von @westnordost, eher Öffentlichkeitsarbeit wäre. Baum-mapping bietet vielleicht eine niedrige Einstiegshürde für neue Interessierte, eine deutliche Verbesserung der Karte wird damit wohl nicht möglich.

als Städte und Gemeinden kann man auf eine eigene Lösung glaube ich nicht verzichten.