In Bayern ist das leider rechtlich nicht vorgesehen.
Es gibt wie schon gesagt die Gemeindeteiledatei (die ich regelmäßig vorliegen habe aus beruflichen Gründen), diese zeigt aber nur eine Koordinate und eine Zuordnung nach AGS.
Es gibt dann im Baurecht den Innenbereich bzw. die “im Zusammenhang bebauten Ortsteile”, das ist aber ein Instrument das vollständig in der kommunalen Planungshoheit liegt und recht häufig gar nicht verwendet wird (gerade bei ländlichen Gemeinden). Wenn es verwendet wird sind Weiler etc. im Umland meist nicht mit einbezogen. Bzg. dieser Daten habe ich mich noch nie auf die Suche gemacht ob die als OpenData verfügbar sind, da nicht flächendeckend und mir deshalb in meiner Arbeit wenig nützen.
Es gibt das Straßen- und Wegegesetz mit dem Instrument der geschlossenen Ortslage bzw. den Ortsdurchfahrten (weiße Markierungen mit OD drauf), diese werden von den Regierungsbezirken festgelegt und haben wie aus dem Namen des Gesetzes ersichtlich keinen räumlichen Charakter (sondern regeln Zuständigkeitsbereiche). Helfen in diesem Fall auch nicht, da damit in der Regel nur tatsächliche Durchfahrten geregelt werden (Bundes-, Staats- oder Kreisstraßen) und damit alles drumherum nicht einbezogen wird. Kann mich dunkel erinnern, dass die Teil eienr OpenData Bereitstellung (ggf. ATKIS) waren, aber da diese aktuell nicht für OSM verwendbar ist, auch für die Katz.
Es gibt die “Ortsschilder” (gelb Zeichen 310/311, grün Zeichen 385, eigentlich Ortstafeln), die sind aber rein straßenverkehrsrechtlich (StVO) Relevant und haben nichts mit der tatsächlichen Lage eines Ortes zu tun. Können 100m davor stehen, 200m drin (weil nur einseitig bebaut), können verschoben werden bspw. aufgrund Unfallhäufung (um die Geschwindigkeit auf 50 zu drücken). Bei den Grünen können diese irgendwo stehen, mittendrin, am Ende, am Anfang. Sind also auch denkbar schlecht geeignet um ein aussagekräftiges Polygon zu setzen.
zu guter Letzt gibt es noch die amtlichen Gemeindeteile (aus denen die Eingangs erwähnte Datei erstellt wird. Das ist ein reines Antragsverfahren der Gemeinde beim Landratsamt und dabei wird eben nur eine Koordinate dokumentiert. Theoretisch könnte, wenn es sich bei dem Gemeindeteil um eine historische Gemarkung handelt, auch eine Gebietsgrenze festgelegt werden. Aber meist ist das nicht eindeutig zuordenbar (Gemarkung viel größer als der Ortsteil, mehrere Ortsteil in der ehemaligen Gemarkung etc.) und ich habe es persönlich auch noch nie in Datenform gesehen.
Kurzum: Ortsgrenzen oder noch besser Grenzen von Ortsteilen existieren in Bayern in den Köpfen von Bürgern, manchmal auf Schildern die nichts mit der tatsächlichen Lage zu tun haben und oft in GIS-Tools oder Kartenwerken der Gemeinden, bei denen ich Zweifel habe ob diese jemals das Licht des OpenData erblicken.
Ich habe mich über das ATKIS Basis-DLM mal eine Weile daran versucht das aus den darin vorhandenen Informationen, bspw. zur tatsächlichen Nutzung / Gebäudepolygonen, Adressdatensätzen (Ort, ehemaliger Ortsteil, PLZ), zusammenzuzimmern. Ich habe eine für staatliche Zwecke nutzbare Version, die schlussendlich nie eingesetzt wurde, weil es auch nicht besser ist als willkürlich eine Linie um die vermutete Bebauung zu ziehen und damit der praktische Nutzen gleich null war.
Dasselbe sehe ich in OSM, in Bezug auf den praktischen Nutzen. Den Mehrwert im Vergleich zum setzen eines Nodes und dessen Zuordnung zu den Gemeinden durch Geosearch-Engines, sehe ich nicht.
Edith: Zum Tagging, aufgrund der nicht vorhandenen Verifizierbarkeit, ist es aus meiner Sicht sogar egal ob es boundary=adminstrative oder boundary=place ist. Es gibt keine Daten und nichts OTG dass das verifizierbar machen würde und dann fängt das lustige Geschubse und kaputtgemache bei Änderung von Gebäude, Feldern, Wege etc. an.