Vorweg, ich bin seit 1982 in der Sächsischen Schweiz unterwegs und der Meinung, mir ein fundiertes Urteil bilden zu können.
Kletterzugänge sind markierte Wege und die dürfen von jedermann genutzt werden. Es ist uninteressant, ob ich klettern will oder nicht. Die Kategorie “Kletterzugang” wurde 2000/2001 in der Arbeitsgruppe (AG) Wege eingeführt, damit die Bergsteiger in der Kernzone des Nationalparks überhaupt noch legal an die Felsen kommen. Die Abstufung der Wegekategorie im Nationalpark ist markierte Wanderweg, Bergpfad und Kletterzugang. Vordergründig dient diese Abstufung zur Klassifizierung der Wegesicherungspflicht. Aus der Wegekategorie ist nicht zwingend die Schwierigkeit des Weges ableitbar, was ich an einigen Bildern darstellen möchte.
markierter Wanderweg, Wilde Höllé, wird am jeweils letzten Ausweichpunkt auf dem Wegweiser als “schwierig” ausgewiesen.
Bergpfad, Rotkehlchenstiege (oberer Teil), sieht machbar aus, trotzdem hat es an dieser Stiege in den letzten Jahren schon tödliche Unfälle gegeben.
Bergpfad, Stiege in den Bärenfangwänden, sportlich anspruchsvoll
Kletterzugang an alle Gipfel zwischen Richtergrotte (Richterschlüchte) und Jortan (Weberschlüchte), schöner Genußwanderpfad
Wer der Meinung ist, sein Urlaubsziel als Blind Date-Ziel anzustreben, dem kann ich dann auch nicht mehr helfen. Spätestens in der Unterkunft sollte ich merken, wo ich bin - in einem Gebirge mit ganz spezifischen Gefahren, die auf großen Schildern und unzähligen Webseiten für jeden sichtbar gemacht werden. Ich sehe nicht ein, warum 3.999.950 Besucher, die sich den Gefahren bewusst sind und entspechend ausgerüstet sind, die Möglichkeit auch anspruchsvolle Touren zu machen, vermiest werden soll, weil 50 total neben der Spur sind. Als ich in den 1980ern begann, die Sächsische Schweiz zu erkunden, war jedem Erwachsenen klar, dass die Sächsische Schweiz anspruchsvoller als der Große Garten in Dresden ist (in dem kann man mit Flipflpos untergwes sein).
Die Behauptung, alle Kletterzugänge sein gefährlich, ist schlicht und ergreifend falsch. Ich habe aus diesem Grund massiv etwas dagegen, hier irgendwie am OSM-Kartenmaterial rumzubasteln, um Routing bei Komoot zu verhindern, irgendwelche Wege unsichtbar zu machen oder was weiß ich noch. Davon abgesehen kann man beim Routen planen in den Offroad-Modus umschalten, da brauche ich überhaupt keinen Weg mehr.
Gerade diese kleinen Wege sind die allerletzten Rückzugsgebiete von naturverbundenen und naturschutzbewussten Wanderinnen und Wanderern, die von vermarkteten Hotspot-Rummelplätzen im Sandstein, wie Bastei und deren Zugänge, Königstein oder Obere Schleuse genug haben und einfach mal nur für ein paar Stunden ihre Ruhe haben wollen.
Wenn Sie konsequent die Sächische Schweiz im OSM-Kartenmaterial nach Gefährlichkeit bearbeiten wollen, wäre die nächste Aufgabe die Aussichtsfelsen. Wenn ich meinen Blick von den Schrammsteinen über die Affensteine, Großer Winterberg und Großer Zschand schweifen lasse, fallen mir auf Anhieb nur die Schrammsteinaussicht, Kleine Bastei bei Schmilka und Kipphornaussicht und Großes Pohlshorn ein, die zum Abgrund hin ein Geländer haben. Bei allen anderen sollte man eigenverantwortlich wissen, wie weit man gehen kann. Gamrig, Winterstein (Hinteres Raubschloß) sind Aussichtsfelsen bei denen man nicht unbedingt Höhenangst haben sollte; Wege wie die Obere Affensteinpromenade oder der Zugang zur Idagrotte am Vorderen Raubschloß führen teilweise auf einem Felsband entlang; sollen die jetzt auch in OSM so bearbeitet werden, dass auf ihnen nicht mehr geroutet werden kann?
Bei jeder Route in Komoot bekommt man Angaben zur Länge, Zeitdauer, Höhenmeter im Aufstieg und Abstieg, ein Höhenprofil, Highlights zur Wanderung und in der Regel ein Beschreibung durch den Autor zur Verfügung. Dort sollte dieser auf schwierige Stellen hinweisen. Bei mir gibt es dann noch Infos zur Kindertauglichkeit. Mittels dieser Infos sollte jeder in der Lage sein, einzuschätzen, ob er konditionell und vom Gefahrenpotential her in der Lage ist, diese Tour zu bewältigen. Wer das nicht kann, sollte sich bitte ein anderes Urlaubsziel suchen. Soviel Eigenverantwortung und Risikoabschätzung sollte ein Erwachsener haben. Ich halte nichts, wie hier in einem Video, von ewig langen “Triggerwarnungen” in Bild und Ton; das ist für mich “betreutes Wandern”. Es reicht, wenn die gefährlichen Stellen zu sehen.