Es wäre schön, wenn es damit getan wäre. Aber “ich mach mein Ding, mach Du Deins” ist halt vielen nicht genug. Viele erwarten, dass Du Dir aktiv Gedanken darüber machst, wie Deine Handlungen bei anderen ankommen, und Dich eventuell so anpasst, dass sie sich mehr “willkommen” fühlen. Zum Beispiel: Wenn Du regelmässig zu einem lokalen Stammtisch gehst und Dich da wohlfühlst, dann wird von Dir erwartet, dass Du Dich fragst, ob Du damit nicht andere ausschliesst. Und dabei geht es nicht nur um die Frage, ob der Stammtisch an einem rollstuhlgerechten Ort ist, sondern auch, ob die Kneipe nicht zu teuer ist (und Du dadurch weniger Wohlhabende ausschliesst), ob Du dadurch, dass eine Kneipe gewählt wird, nicht vielleicht diejenigen ausschliesst, die etwas gegen Alkohol oder die Geräuschkulisse haben, oder ob vielleicht generell die Art und Weise, wie ihr am Stammtisch diskutiert, bestimmte etwas zarter besaitete Menschen ausschliessen könnte, und so weiter. Und das gleiche gilt dann auch für andere Veranstaltungen oder auch die Art und Weise, wie man sich in einem Forum oder in Changeset-Kommentaren austauscht.
Viele von diesen Gedanken sind es wert, gedacht zu werden; die meisten von uns würden sicherlich gern Schritte unternehmen, die es mehr Leuten ermöglichen, bei OSM mitzumachen, und auf viele Sachen kommt man vielleicht gar nicht von allein. Schwierig wird es dann, wenn man von irgendwelchen Dritten, die sich ansonsten wenig für OSM interessieren, an den Pranger gestellt wird, weil man irgendwo nicht genügend dem Diversity-Gott gehuldigt hat.
Viele gehen davon aus, dass die Tatsache, dass OSM keine 50%-Frauenquote hat, eben nicht am “mangelnden Interesse” (Zitat dx125) liegt, sondern nur daran, dass die Männer sich mit ihrer Männer-Art hier breitgemacht haben und zwar kein großes Schild aufstellen “Frauen raus”, sich aber eben doch bei jeder Gelegenheit so benehmen, dass Frauen sich nicht willkommen fühlen - und das kann man statt Männer/Frauen auch mit X anderen Gruppenunterschieden durchexerzieren. Ich neige selber auch dazu, zu denken, “ist doch nicht mein Problem, wenn Frauen weniger Lust haben, mitzumachen”, aber wenn ich mir vorstelle, ich wäre eine am Mappen interessierte Frau und komme zum Stammtisch und da sind sonst nur Männer, ist es halt schon ein bisschen komisch.
Also wie dem auch sei, wenn eine Gruppe sich da “faktenbasiert” mit dem Thema beschäftigen will, ist mir das schon willkommen, aber man muss schon ein bisschen aufpassen, dass die nicht in die üblichen Stereotype abrutschen so von wegen “kein Wunder dass es in OSM keine Frauen gibt, es wurde ja sogar im Wiki das childcare-Tag abgelehnt” oder so. Und das kommt leider besonders bei unseren amerikanischen Freunden viel zu oft vor.