Forstweg vs. Rückegasse

Anknopfung an das Thema Hessisches Waldgesetz Update 2026 Erfassung von Wegen!:

Diese Definition ist glaube ich allgemein bekannt, man findet sie auch in ähnlicher Form vielfach im Internet. Die Ausprägung von Rückegassen in der Realität ist dagegen so vielfältig, dass sie für einen Normalmapper auch in Kenntnis dieser Definition oftmals nicht eindeutig von Forstwegen zu unterscheiden sind.

Relativ einfach ist es im durchstrukturierten Flachlandwald, da kann man die einzelnen Wegarten schon vom Luftbild her erkennen:

Rot: Forststraßen 1. Klasse, immer mit Unterbau, geschottert, verdichtet
Gelb: Erschließungsstraßen 2. Klasse, geschoben, teilweise geschottert/verdichtet
Grün: Rückegassen

Bei uns im Mittelgebirgswald findet man häufig diese Ordnung vor:

Rot: Forststraßen 1. Klasse, immer mit Unterbau, geschottert, verdichtet
Gelb: Erschließungsstraßen 2. Klasse, geschoben, meistens naturfest- diese verlaufen hier überwiegend parallel zu den Höhenlinien, weitgehend gefällefrei und werden gerne “Rückeweg” (als Abgrenzung zur “Gasse”) genannt.
Grün: Rückegassen in Falllinie des Hanges (hier nur schlecht zu erkennen)

Eine Erschließungsstraße 2. Klasse sieht etwa so aus:

Wenn sie lange Zeit nicht genutzt werden, wachsen sie aber auch gerne zu:

Zählen diese noch zu den naturfesten Wegen oder eher schon zu den Rückegassen?

Hier wird es schon schwieriger:

Gut zu erkennen sind die Forststraßen 1. Klasse und die parallel verlaufenden Rückegassen. Aber wie sind die extrem breiten, häufig sternförmig angelegten Erschließungswege einzuordnen (schwarze Pfeile)? Kein Unterbau, nicht geschottert. Werden wegen der Breite gerne als man_made=cutline gemappt. Zählen die schon zu den Rückegassen?

Solche Schneisen sehen z.B. so aus:

Wie wären diese einzuordnen?

Details zu den Rückegassen folgen im nächsten Post.

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Danke, ich kann dazu gern eine forstfachliche Einordnung geben. Für mich ist der entscheidende Punkt nicht der Name, sondern die Funktion.

Eine Forststraße oder ein Forstweg ist Wegeinfrastruktur. Sie dient der Zuwegung, Kontrolle, Bewirtschaftung, Holzabfuhrorganisation und gegebenenfalls auch Einsatzfahrzeugen. Solche Wege sind typischerweise dauerhaft angelegt, tragfähig, befestigt oder zumindest naturfest und können auch mit normalen Forstbetriebsfahrzeugen genutzt werden.

Mit normalen Forstbetriebsfahrzeugen meine ich vor allem die Fahrzeuge, mit denen Revierleitung, Förster oder Betriebsmitarbeiter üblicherweise zur Kontrolle, Organisation und Bewirtschaftung unterwegs sind, also etwa Forst-PKW oder Geländewagen, nicht Harvester oder Rückezüge.

Rückegassen, Rückelinien, Rückewege oder Maschinenwege im engeren Sinn sind dagegen Feinerschließung für Holzerntemaßnahmen. Dort fahren Harvester, Rückezüge, Rückeschlepper oder Schlepper in den Bestand hinein, um Holz zu ernten oder aus dem Bestand zum nächsten Forstweg zu bringen. Dass dort schwere Forstmaschinen fahren können, macht daraus noch keine Forststraße.

Als praktische Faustregel: Wenn eine Linie nur für Holzerntemaschinen gedacht ist, ist sie in der Regel keine allgemeine Wegeinfrastruktur, sondern Feinerschließung. Wenn sie dagegen dauerhaft als betrieblicher Weg für Zuwegung, Kontrolle, Bewirtschaftung und gegebenenfalls normale Forst-PKW genutzt wird, spricht das eher für einen Forstweg.

Zu den Fotos würde ich vorsichtig sein: Aus einem Einzelbild kann man Hinweise ableiten, aber selten eine belastbare Einordnung treffen. Entscheidend sind aus meiner Sicht nicht nur Oberfläche und Breite, sondern vor allem Funktion, Anbindung, Dauerhaftigkeit, Tragfähigkeit und tatsächliche Nutzung im Betrieb.

Wenn eine Linie für normale Betriebsfahrzeuge nicht sinnvoll befahrbar ist und praktisch nur von Holzerntemaschinen wie Harvester, Rückezug oder Rückeschlepper genutzt wird, spricht das stark gegen eine Forststraße oder einen allgemeinen Forstweg und eher für Feinerschließung im Bestand.

Grenzfälle wird es immer geben. Dann muss man auf Funktion, Ausbauzustand, Dauerhaftigkeit, Tragfähigkeit und tatsächliche Nutzung schauen. Breite allein reicht nicht. Eine breite Schneise kann trotzdem reine Feinerschließung sein.

In Niedersachsen sollen Rückegassen markiert sein:


(eigenes Foto)

Siehe: Merkblatt der Niedersächsischen Landesforsten (Kap.3.1.3.5)

Vielen Dank für Deine Ausführungen.

Ich habe ja auch keine Namen bebildert, sondern real existierende Wege beschrieben. Und die Funktion eines Weges kann einem Besucher kaum bekann sein, wenn sie nicht vor Ort ausgeschildert oder markiert ist oder dort just zum Zeitpunkt des Besuches gearbeitet wird.

Man sieht einem Weg nicht an, wofür er gedacht ist, sondern in erster Linie, wie er gestaltet ist, und da sind Breite und Oberfläche nun mal die herausstechenden Eigenschaften. Die Anbindung an das Wegenetz ist ja schon mal generell gegeben, sonst könnten die vorgesehenen Nutzer den Weg überhaupt nicht erreichen. Funktion, Dauerhaftigkeit, Tragfähigkeit und tatsächliche Nutzung können dem Mapper nicht bekannt sein, er sieht nur das, was zum Zeitpunkt seines Besuches zu sehen ist.

Nach welchen Kriterien soll er also die oben bebilderten Erschließungsstraße einordnen, wenn nicht nach den Kriterien

  • maschinell geglättet
  • naturfest
  • 2,5 Meter breit
  • mit einem normalen PKW befahrbar

Also keine Rückegasse sondern ein ganz normaler highway=track.

Dasselbe gilt für die abgebildeten Schneisen. Auf dem ersten Foto ist eindeutig schweres Forstgerät dort gefahren. Aber vielleicht werden diese Schneisen ja auch vom Jäger genutzt, um zu seinem Hochstand zu gelangen. Oder vom Förster für Kontrollfahrten? Woher soll der Mapper das wissen? Er sieht in beiden Fällen nur einen schön planierten, breiten Weg, der zumindest so fest ist, dass es keine tief ausgefahrenen Spuren gibt. Befahren mit einem normalen PKW kein Problem. Also highway=track …?

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Eine hundertprozentige Laienregel wird es nicht geben. Aber zwei Fragen helfen in der Praxis sehr weit:

Erstens: Kommt dort ein typisches, leicht geländegängiges Forstbetriebsfahrzeug sinnvoll durch, etwa ein Octavia Scout, Passat Alltrack oder ein vergleichbarer Dienstwagen? Dann spricht viel für einen Forstweg. Ist die Linie praktisch nur mit Harvester, Rückezug oder Rückeschlepper nutzbar, spricht das eher für Feinerschließung, also Rückegasse oder Rückelinie.

Zweitens: Wie liegt die Linie im Bestand? Typische Rückegassen verlaufen häufig systematisch, parallel zueinander und in regelmäßigen Abständen, oft etwa 20 oder 40 Meter. In ebenem Gelände gehen sie häufig rechtwinklig von der eigentlichen Forststraße oder Grunderschließung ab; im Hang verlaufen sie eher in Falllinie. Wenn man also viele ähnliche Linien sieht, die regelmäßig und etwa im rechten Winkel von einem Forstweg in den Bestand hineinlaufen, ist das ein starkes Indiz für Rückegassen.

Beides sind keine harten Einzelkriterien. Aber zusammen ergeben sie für fachfremde Mapper eine brauchbare Annäherung: Forstweg heißt Wegeinfrastruktur; Rückegasse heißt Feinerschließung für die Holzernte.

Zu diesem Luftbild mit den auf einen Punkt zulaufenden grasbewachsenen Schneisen, von Dir mit schwarzen Pfeilen markiert:

Hier sollte man man genauer hinschauen, ob an dem Punkt, auf den diese Schneisen hinlaufen, ein Jagd-Hochsitz steht. Dann handelt es sich nämlich um zum Zwecke der Jagd angelegte langestreckte Wiesenschneisen. Diese werden dann auch einmal im Jahr gemäht, so dass sie nicht verbuschen. Solche Jagdschneisen trage ich dann auch als landuse=meadow ein, einen Weg nur dann, wenn tatsächlich ein erkennbarer Weg darüber führt.

Ein weiteres Indiz dafür, dass es sich nicht um eine Rückeschneise oder ein Weg ist oft die Breite. Ist diese deutlich breiter als 3 Meter, handelt es sich eher nicht um eine Rückeschneise oder einen reinen Weg.

Ja, das ist hier auch so. Es gibt aber auch breite Schneisen, die sowohl der Forstwirtschaft als auch der Jagd dienen, wie die auf den Musterfotos. Ich mappe aber auch vollständig begraste Jagdschneisen nicht als landuse=meadow, weil das von der Nutzung nicht zutrifft, sondern als man_made=cutline + cutline=hunting.

Ich halte landuse=meadow für geeignet und mit dem OSM-Wiki im Einklang. In DE:Tag:landuse=meadow - OpenStreetMap Wiki heißt es:
Dient oder diente als Futterquelle für landwirtschaftliche Nutztiere (Weideland mit oder ohne Zaun, Heuwiese) oder als Wildfutterquelle (größere Lichtungen und Waldwiesen).

Das rein linienförmig einzuzeichnende man_made=cutline meide ich dabei, weil es den tatsächlichen Umriss bzw. die tatsächliche Breite im Kartenbild nicht darstellt. In der Standardkarte werden z.B. auch solche Schneisen in niedrigeren Zoomstufen auch unverhältnismäßig breit dargestellt. Liegen mehrere Schneisen nah beeinander, sieht man mehr hell- als dunkelgrün. Das ist zwar ein Rendererproblem, aber solange man Schneisen nicht als Fläche eintragen kann, zeichne ich solche langestreckten Wildwiesen lieber als Fläche ein. Es handelt sich ja um eine spezielle Form von Waldwiese, die nicht nur freie Sicht auf das Wild bieten sondern das Wild anlocken sollen dadurch, dass sie dort grasen können. Zur Wiese wird eine Schneise für mich u.A. auch durch das regelmäßige Mähen.

Ich würde mal sagen, beides hat seine Berechtigung. Es wächst ja auch nicht immer nur Gras in so einer Jagdschneise, manche sehen auch so aus:

Meine naive Vorstellung der tracktype=grade* Skala an den hier erwähnten Fahrzeugklassen (Anforderungen) orientiert lautet:

tracktype= Fahrzeugklasse
grade3 normaler PKW
grade4 leicht geländegängiges Forstbetriebsfahrzeug
grade5 Unimog :smiley:

Wenn nur noch Spezialfahrzeuge wie Harvester und traktorartige Gefährte durch kommen, dann sind wir definitiv jenseits vom highway=track.

Angesichts Mikkes letztem Bild mit querliegenden Bäumen könnte man ergänzen, dass bei grade4 und 5 eine begrenzte Zahl eventuell zu räumen vorhanden sein könnten. Bei grade3 eher nicht.

Nein, einen direkten Zusammenhang zwischen tracktype und Fahrzeugklasse gibt es in der Praxis nicht wirklich. Hier in der Gegend sind die meisten tracks bis grade4 mit einem normalen PKW befahrbar, selbst viele grade5 noch. 4WD sind am ehesten wegen der teilweise heftigen Steigungen vonnöten und die sind unabhängig vom tracktype.

Die Schneise im letzten Musterbild würde ich überhaupt nicht als track mappen, sondern nur noch als man_made=cutline. Eine Fahrspur ist dort nicht (mehr) zu erkennen. Und wenn auf einem Weg mehr als 1 oder 2 umgefallene Bäume liegen (obstacle=fallen_tree) und auch nicht weggeräumt werden, dann kann man schon darüber nachdenken, den WEg auf disused:highway=track zu setzen.

Ok, das hört sich als Faustregel doch schon mal gut an. Ein weiteres Merkmal ist m.E. die Ausweisung von Wegen in den offiziellen DTK. Dort werden im Normalfall nur Wege erfasst, die für die dauerhafte Nutzung angelegt sind (und diese lassen sich dann auch oftmals über mehrere Kartengenerationen hinweg zurückverfolgen, bestehen also dementsprechend seit Jahrzehnten).

Auf dieser Grundlage sollte eine Einordnung nicht unmöglich sein. Nachfolgend in paar Musterbilder zur Veranschaulichung:

Links Forststr. 1. Klasse, nach rechts Abzweig Erschließungsstr. 2. Klasse (Einordnung siehe OP). Beide in der DTK Hessen verzeichnet.

Könnte eine Rückegasse sein, ist aber eine Erschließungsstr. 2. Klasse, bis vor kurzem völlig zugewachsen, jetzt neu geschoben. Seit Jahrzehnten als Forstweg in der DTK Hessen.

Sieht aus wie eine Rückegasse, ist aber eine verwilderte Erschließungsstr. 2. Klasse und seit Jahrzehnten als Forstweg in der DTK Hessen.

Mit Diagonalstrichen als Rückegasse markiert (im Foto nicht sichtbar), aber eine dauerhafte Erschließungsstr. 2. Klasse, seit Jahrzehnten in der DTK Hessen.

Könnte eine Erschließungsstr. Kl. 2 sein, ist aber eine Rückegasse, die nur für die Arbeiten dort angelegt wurde. Nicht in der DTK Hessen. Bereits nach 2 Jahren kaum noch zu erkennen:

Siehe Beschreibung oben.

Eine Rückegasse mit Markierung, nicht in der DTK Hessen.

Eine Rückegasse ohne Markierung, nicht in der DTK Hessen.

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Du darfst Wegerückbau/-aufgabe vielerorts auch nicht vergessen. Wege werden mit Ästen/Stämmen/Wällen blockiert und der Vegetation überlassen.

Die vollkommen zugewachsenen Wege gehen vermutlich nicht mehr als Weg /Fahrweg durch. (Auch wenn ich das bisher auch noch als Weg interpretiert hätte.)

Und auch hier gibt es Waldbesitzer, die von OSM verlangen oder selbst Hand anlegen und löschen und behaupten, das seien Rückegassen, OBWOHL solche Wege in den offiziellen DTK seit Jahrzehnten digital ausgewiesen sind. :thinking:

Es mangelt halt an einer klaren Definition von “Weg”. Die Waldbesitzer wollen da gerne nur “Fahrweg” drunter verstehen. Alles andere wären Pfade …

Das stimmt, aber hier geht es eigentlich nur darum, grundsätzlich echte Rückegassen von anderen Forstwegen zu unterscheiden.

Dass auch Erschließungswege (mit Verbindungscharacter) manchmal aufgegeben oder einfach vernachlässigt werden, ist ein anderes Thema. Dafür haben wir dann ja die entsprechenden surface/smoothness/lifecycle - Tags.

Ist mir bisher noch nicht untergekommen, aber wird es sicher geben. Trotzdem haben wir als Mapper mit der Verzeichnung im DTK dann schon ein starkes Argument für unsere Position.

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Im Gesetz geht es ausdrücklich sowohl um Wege als auch um Pfade.

§15a, (1) Die digitale Ausweisung, Kennzeichnung oder Darstellung eines Weges oder Pfades im
Wald bedarf der vorherigen Zustimmung der Waldbesitzerin oder des Waldbesitzers in Text-
form…