Versuch einer Zusammenfassung:

  1. Verkehrszeichen 276 verbietet das Überholen von mehrspurigen Fahrzeugen. Radfahrer und Motorradfahrer ohne Beiwagen dürfen also überholt werden. Das Beispiel mit dem Radfahrer würde also auch funktionieren bei einer gestrichelten Linie in Kombination mit Verkehrszeichen 276. Die durchgezogene Mittellinie allein bedeutet aber lediglich ein absolutes Überfahrverbot dieser Linie, was bei schmalen Fahrspuren die gleiche Wirkung wie ein Überholverbot hat (wegen Sicherheitsabstand), bei einer sehr breiten Fahrspur aber durchaus sogar das vorsichtige Vorbeifahren an einem Traktor zuließe. Denn z.B. innerorts sind solche Fahrspuren manchmal so breit, dass dort jemand sogar parken könnte.
    Setzt man eine durchgezogene Mittellinie in OSM mit overtaking=no um, würde man zwar das Überholen von einspurigen Fahrzeugen nicht ausschließen, da es in Deutschland kein Verkehrszeichen gibt, dass das Überholen von einspurigen Fahrzeugen verbietet, allerdings würde man bei einer sehr breiten Fahrspur fälschlicherweise das Vorbeifahren an einem Traktor ausschließen.
  2. Eine durchgezogene Linie ist das Standardzeichen, um das Fahrspurwechseln zu verbieten, egal ob zwischen Abbiegespuren oder zwischen Fahrbahn und Gegenfahrbahn.

Mein Fazit:
Danach spräche 1. und 2. sehr dafür, die durchgezogenen Linie stets mit change:lanes=no einzutragen, auch wenn ich bisher stets overtaking=no genutzt hatte.
Ich war dann noch kurz am grübeln, wie dass denn bei Straßen mit mehreren Fahrspuren pro Richtung zu handhaben sein, bin dazu dann aber hier fündig geworden: https://wiki.openstreetmap.org/wiki/DE:Josm/styles/lane_features#turn:lanes
Aus meiner Sicht ist change:lanes damit genau das, was die Realität einer durchgezogenen Linie am besten abbilden kann.

Wobei man konsequenterweise bei einer vierspurigen Straße mit je zwei Fahrbahnen pro Richtung und in der Mitte einer durchgezogener Linie überall eintragen müsste:
change:lanes:forward=to_right|yes und change:lanes:backward=to_right|yes
Bislang beschränken wir uns ja in der Regel darauf, bei einer vierspurigen Straße anzugeben, wieviele Fahrspuren es pro Fahrtrichtung gibt, da es in Deutschland meines Wissens inzwischen keine Straßen mit mehr als zwei Fahrspuren mehr gibt, bei denen die Mittellinie nicht durchgezogen ist. Ich kenne das aus meiner Kindheit noch anders. Da gab es noch die dreispurigen Straßen, bei denen die mittlere Spur von beiden Seiten zum Überholen genutzt wurde und auch die vierspurige Straße mit nur gestrichelten Linien, bei der man rechtlich gesehen (soweit ich das noch korrekt in Erinnerung habe) sogar die dritte Spur von rechts noch zum Überholen nutzen durfte. Aber das wahren sehr unfallträchtige Regelungen und daher zu Recht abgeschafft. Daher könnte man bei einer Straße mit mindestens zwei Richtungsfahrbahnen in eine Fahrtrichtung als “Default” annehmen, dass die Gegenfahrbahn nicht zum Überholen genutzt wird.