Ich bin im Usenet digitalkommunikativ sozialisiert worden und nutze es immer noch täglich. Und nein, es ist nicht ausgestorben. Sein Anteil am Kommunikationsaufkommen im Internet hat, wie das von Mailinglisten, stark abgenommen. Das ist nicht weiter verwunderlich, da es für den User heutzutage wesentlich einfacher und unkomplizierter ist, sich einem Webforum anzuschließen, als erst eine geeignete Anwendung auszuwählen, zu installieren und dann noch Mailinglisten und Usenet zu konfigurieren. Für jemanden, der das seit Anbeginn der Email-Zeit nicht anders kennt, mag das kein Problem sein, für Leute aber, die vorzugsweise via Webbrowser am Internet partizipieren, ist das zu viel Aufwand und schreckt ab. Das ist kein geringschätziger Vorwurf, das ist schlicht eine fortschreitende Entwicklung, die absehbar war.
Dennoch bietet reine Text-Kommunikation immer noch entscheidende Vorteile. Wer in vielen Bereichen kommuniziert bzw. kommunizieren muss, weiss es zu schätzen, wenn die Nachrichten geliefert, sortiert und bereinigt werden, und man anschließend alles kompakt, schnell und ohne störende Formatierungen und Grafiken präsentiert bekommt. Das spart Ressourcen, nicht nur technische. Und man verpasst halt nix. Außerdem ist eine einfache Archivierung möglich. Nachteil dieser Methode ist, dass man sich vorher mehr Wissen über die technischen Grundlagen aneignen muss, als das bei einem Webforum nötig wäre.
Natürlich bin ich auch in Webforen unterwegs. Da ich mich dorthin aber erst selber aktiv hinbewegen muss, um Neuigkeiten zu erfahren und mich dann auch noch durch alle neuen Beiträge kämpfen muss, um für mich Interessantes und Relevantes zu finden, hält sich meine Begeisterung für Webforen in Grenzen. Mir ist klar, dass andere Leute andere Meinungen dazu haben, aber Vielfalt muss ja nix Schlechtes sein.