Bitte nicht so schnell.
Changesets ohne vorherige Diskussion mit dem Benutzer rückgängig zu machen ist eine Maßnahme, die wir nur in einem Fall von ganz klarem Vandalismus (z.B. ein dickes Autobahn-X quer über der Republik oder ein Hauptstadt-Node mit Beleidigungen o.ä.) ergreifen.
In allen anderen Fällen schreiben wir den Benutzer zunächst einmal an und fragen nach. Wenn Zweifel an der rechtlichen Eignung der Daten bestehen, dann sprechen wir um Himmels willen mit dem Benutzer (und nicht über den Benutzer in einem Forum, das er vielleicht gar nicht liest). Wenn fehlerhafte Edits ein paar Wochen in der Datenbank sind, bis die Sache aufgeklärt werden kann, ist das in den allermeisten Fällen gar kein Problem - es ist keine “Gefahr im Verzug”, man hat genug Zeit, eine einvernehmliche Lösung zu finden.
Jeder, der behauptet, dass jemand anders Daten “klaut”, sollte das belegen können oder sich mit solchen (unter Umständen strafbaren) Anschuldigungen zurückhalten. Eine freundliche (!) Mail an den Urheber wirkt in aller Regel Wunder. Textbeispiel:
“Lieber Benutzer X, Du hast kürzlich eine grosse Zahl von POIs in OSM erfasst. Wir freuen uns natürlich über jeden, der mit von der Partie ist und der hilft, die Daten zu verbessern. Allerdings wird OSM auch gern von Dritten beschuldigt, Daten irgendwo ‘abzuschreiben’ - und wir dürfen ja Daten nur verwenden, wenn wir sie selbst erfasst haben oder wenn wir eine klare Erlaubnis des Urhebers haben. Hast Du die Daten, die Du hochgeladen hast, selbst erfasst? In diesem Fall füge doch künftig ein “source=survey” an, um Nachfragen vorzubeugen. Wenn die Daten aus einer anderen Quelle sind, müssen wir sicherstellen, dass diese Quelle keine Einwände gegen die Weiterverwendung bei OSM hat. Bitte melde Dich bei mir, …”
In den allermeisten Fällen handelt es sich bei solchen Vorgängen um Irrtümer - jemand, der nicht merkt, dass seine Edits “scharf” sind, oder jemand, der denkt, er dürfe alles, was er im Web findet, auch hochladen, oder jemand, der dem Projekt helfen will, aber ein bisschen verbohrt ist.
Diese Irrtürmer können nur durch Kommunikation aufgeklärt werden.
Erst dann, wenn Versuche zur Kommunikationsaufnahme offensichtlich nicht weiterführen, kann man andere Maßnahmen ergreifen.
Leider gibt es für jeden, der leichtsinnig oder unüberlegt Daten importiert, bei OSM ca. fünf andere, denen der Revert-Revolver (immer nach dem Motto: Erst schiessen, dann fragen) ziemlich locker sitzt. Ein “revert-Bot”, bei dem man nur eine Changeset-Nummer eingeben muss und schon entfernt er munter Änderungen aus der Datenbank, ist eine ganz gefährliche Sache und muß auf jeden Fall
- Jeden Benutzer auf das DEUTLICHSTE darüber aufklären, dass Reverts nur im Notfall oder nach erschöpftem Kommunikationsweg zulässig sind (oder wenn man seine eigenen Edits rückgängig machen will).
- Den Revert unter der Benutzer-Nummer desjenigen durchführen, der ihn auslöst (das geht mit OAuth). Anderenfalls lässt sich später nicht mehr feststellen, wer einen Revert ausgelöst hat, und wir öffnen anonymen Revert-Mobs Tür und Tor.
Bitte bedenkt immer: OSM hat eine technische und eine soziale Seite. Die technische ist relativ leicht zu handhaben, die soziale ist oftmals eine größere Herausforderung. Natürlich scheint es zunächst einfacher, ein Knöpfchen zu drücken als sich mit einem anderen Menschen auseinanderzusetzen, aber langfristig geht die Strategie nicht auf. (Schaut Euch an, wie viele Leute jetzt schon über die Wikipedia schimpfen, weil man ihnen dort erzählt hat, ihr Beitrag sei “nicht relevant” - auch das ist ein soziales Problem.)
Bye
Frederik