Unterschiedliche Detaillierungsgrade sind kein Problem … solange zusätzliche Details zusätzlich und mit eigenen Tags eingetragen werden. Aber wir sind weit davon entfernt, dass in allen denkbaren Auswertern ein ordentliches Ergebnis herauskommt. Denn dafür bräuchte man eben doch gut durchdachte Regeln, an die man sich auch überregional hält. OSM wird erst durch Auswertesoftware nützlich, und Auswertesoftware wird nicht für jede Stadt einzeln geschrieben – also braucht es ein einheitliches maschinenlesbares Datenmodell.

Ein Projekt wie Wikipedia kann es sich problemlos erlauben, große Unterschiede von einem Kleinstadt-Artikel zum nächsten zu haben, weil dort direkt ein fertiges Produkt erzeugt wird, keine Rohdaten. Der Text, den Wikipedianer verfassen, wird im Grunde 1:1 von Menschen gelesen, es findet nur sehr geradlinige Verarbeitung durch Software statt. Und in 99% der Fälle oder mehr ist es auch noch ein und dieselbe Software, nämlich die MediaWiki-Instanz, die auf wikipedia.org läuft.

OSM hat hingegen den Anspruch, keine bloße Karte, also kein fertiges Produkt, sondern eine Datenbank für verschiedenste Anwendungen sein zu wollen – sogar solche, die der Mapper selbst noch nie in Aktion gesehen hat. Leider funktioniert aktuell aber eigentlich nur geradliniges Rendering gut. Das liegt m.E. daran, weil hier der Abstand zwischen dem, was der Mapper im Editor tut, und dem Endprodukt am geringsten ist: Dort, wo der Mapper in seinem Editor eine Linie gemalt hat, malt der Renderer auch eine hin – ggf. halt gefiltert, mit anderer Farbe oder anderem Muster, aber letztlich doch ohne sich gar zu weit von den Eingangsdaten zu entfernen.

Automatisierte Generalisierung durch Software funktioniert nach meinem Eindruck keineswegs problemlos, sondern im Gegenteil nur schwer oder gar nicht. Dasselbe gilt für andere anspruchsvollere Anwendungsfälle. Und selbst dort, wo man mit viel Entwicklungsarbeit schöne Ergebnisse erzielen kann, will man sich einen solchen Zeitaufwand normalerweise nur leisten, wenn das Datenmodell ein solides Fundament darstellt, damit die lange Arbeit nicht durch die nächste Mappingmode obsolet wird.

Leider gibt es noch keine exakten Regeln hierfür. Das liegt teils daran, dass OSM sich generell nicht leicht tut mit Entscheidungsfindung (bisweilen auch absichtlich, weil wir Dezentralisierung und Do-ocracy mögen). In diesem Fall liegt es zusätzlich aber auch daran, dass ein für unterschiedlichste Anwendungsfälle geeignetes aber trotzdem laientaugliches Datenmodell für Straßen sehr viel Arbeit und Gehirnschmalz braucht.

Daher habe ich leider auch noch keinen konkreten Vorschlag in der Schublade. Aber der Vorstellung, dass wir nach Gefühl mappen können und Software es auch ohne präzises Datenmodell schon irgendwie verstehen und generalisieren können wird, muss ich dann doch widersprechen. Solange es Geschmackssache ist, wie eine Kreuzung abgebildet wird, wird OSM sein volles Potential nicht entfalten können.